Förderverein Burg Wernerseck e.V.
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Die Geschichte der Burg Wernerseck...

Die Burg Wernerseck liegt etwa auf halber Strecke zwischen Ochtendung und Plaidt auf einem schmalen, von der Nette an drei Seiten umflossenen Felsrücken. Zur Nette hin fällt dieser Felsrücken steil und schroff ab, allein die vierte, westliche Seite ist offen, ließ sich jedoch, da nur ein schmaler Grat, befestigungstechnisch leicht sperren und verteidigen.

Die Anlage unterscheidet sich deutlich von anderen Burganlagen in der Umgebung, wie etwa Eltz, Pyrmont oder Bürresheim, was auf eine ganze Reihe von Gründen zurückzuführen ist, und was in den nachfolgenden Abschnitten, zumindest ansatzweise, hinterleuchtet werden soll. Obwohl der Zahn der Zeit kräftig an der Keltersburg, wie die Burg Wernerseck landläufig auch genannt wird, genagt hat, vermitteln die immer noch imposanten Überreste den Eindruck einer trutzigen und wehrhaften Anlage, die weniger dem Zweck einer ”komfortablen” Wohnburg oder Residenz dient, als vielmehr der Darstellung eines gewissen Machtanspruches und des Willens, diesen Machtanspruch auch militärisch zu verteidigen.

2. Geschichte der Burg Wernerseck

Der Trierer Erzbischof und Kurfürst Balduin von Luxemburg (1307 - 54), den meisten in unserer Gegend zumindest dem Namen nach bekannt (Balduinbrücke - Koblenz; Kurfürst-Balduin-Gymnasium - Münstermaifeld), hatte es im Zuge seiner Expansionspolitik 14. Jahrhundert verstanden, einen Teil der Herrschaftsrechte im Eifelvorland seinem Erzstift zu sichern (1). Lediglich der Ort Ochtendung selbst, als Dekanatssitz, hatte bis dahin zu Kurtrier gehört, während die Vogtei Ochtendung noch den Herren zu Isenburg zustand. Das umliegende Land, das sogenannte Pellenzhochgericht, war im 13. Jahrhundert von seinen einstigen Herren, den Pfalzgrafen (daher ist auch der Name Pellenz abzuleiten), in die Lehensherrschaft der Grafen von Virneburg übergegangen. In verschiedenen Pfandverträgen nach 1333 brachte Balduin Teile der vorderen Pellenz, wie auch die Vogtei Ochtendung an sich (1). Durch einen Schiedsvertrag erhielt Kurtrier im Jahre 1348 auch einen Anteil an den Herrschaftsrechten in der großen Pellenz zugesprochen. Ein Machtverfall der Virneburger Grafen um die Jahrhundertwende ermutigte die Trierer Herren, ihren Machtanspruch im Grenzgebiet durch einen Festungsbau zu manifestieren. Gleichzeitig, vielleicht sogar in erster Linie, sollte diese Burg auch als ein Bollwerk gegen einen wesentlich mächtigeren Herrn dienen, und zwar gegen die Kurfürsten zu Köln. Zu deren Besitz gehörte zum Beispiel noch das Amt Andernach, das sich bis zur Gemarkung Miesenheim erstreckte, so dass die Burg Wernerseck auch der Grenzsicherung gegen Kurköln dienen sollte. Neben dieser militärisch-machtpolitischen Zweckbestimmung sollte die Burg aber auch Mittelpunkt der Verwaltung des kurtrierischen Besitzes in dieser Gegend sein.

Erzbischof Werner von Falckenstein, nach Boëmund von Saarbrücken (1354 - 62) und Kuno von Falckenstein (1362 - 88), von 1388 - 1418 Nachfolger Balduins auf dem Trierer Bischofsstuhl, begann dann im Jahre 1401, wahrscheinlich im Spätjahr,  mit dem Bau der Burg, der er wohl auch von Anfang an auch seinen Namen gab. Der oben erwähnte schmale Felsvorsprung im Grenzgebiet der kurtrierischen Gemarkung von Ochtendung und der (noch) virneburgischen Gemarkung von Plaidt erschien ihm für seine Zwecke optimal geeignet. Auf diese ”Provokation” reagierte der Virneburger Graf Ruprecht auch prompt, indem er sofort gegen den Bau protestierte und behauptete, daß der Bauplatz sich auf Virneburger Gelände befinde. Aber bereits am 23. Februar 1402 verzichtete Graf Ruprecht von Virneburg in einem Vertrag mit dem Erzbischof auf seine "vermeintlichen" Ansprüche an dem Bergrücken, und erklärte, "durch Vermittelung seiner Freunde sich überzeugt zu haben, daß seine Ansprüche unbegründet waren(2). Als Gegenleistung erhielt Ruprecht die Zusicherung, daß seine in der Pellenz ansässigen Leute zu dem "nuwen burchlichen buwe, den wir zu Wernersecke dun buwen", nicht über ihre bisherigen Verpflichtungen gegenüber dem Erzstift Trier herangezogen werden (3). Noch vor Abschluß dieses Verzichts hatte aber auch der Erzbischof von Köln gegen den "neuen Bau" Einspruch erhoben, ebenfalls mit der Begründung, der Burgberg liege auf Virneburger Gebiet (4). Der wahre Grund lag aber wohl eher in der Furcht vor einer weiteren Expansion Triers in Richtung Kurkölner Gebiet begründet. Nach mehrmaligen vergeblichen Verabredungen der beiden Erzbischöfe setzte die kurkölnische Seite im Juli 1402 ihre "Ansprache und Forderungen" auf Schadensersatz für alle Streitpunkte mit insgesamt 140.000 Florentiner und 2.000 Schildgulden an. Während Erzbischof Friedrich von Köln sich außer Landes im Dienste König Ruprechts bei seinem Zug in die Lombardei befand und auch der Statthalter Graf Friedrich von Mörs ”zum heiligen Blut” (nach Wilsnack) geritten war, habe der Erzbischof von Trier einen ”burglichen Bau” auf dem Berge genannt Alteburg (”Alteburg” = Hinweis auf Vorgängerbauten; Anm. d. Red.) bei Andernach bei des Stifts von Köln Pfählen angefangen. Die kurkölnischen Amtleute hätten vergeblich auf die Beauftragten des Trierer Erzbischofs, die Ritter Friedrich von Sachsenhausen und Werner von der Leyen sowie Konrad von Kolbe von Boppard eingewirkt, den Bau vorerst nicht weiter zu führen. Der Burgberg liege nicht auf trierischem Boden; Graf Simon von Sponheim habe bezeugt, dass er zu seinem pfalzgräflichen Lehen gehöre und an die Grafen von Virneburg weiter verlehnt sei. Abgesehen vom sonst dabei angerichteten Schaden in Höhe von 10.000 Gulden hätten die Trierer auch noch die Hintersassen eines Andernacher Frauenklosters (wohl St. Thomas) zu Dienstleistungen für diesen Bau gepreßt. Diese Angaben lassen den Baubeginn ziemlich sicher in die Zeit kurz vor der ersten Erwähnung der Burg im Januar 1402, also etwa in das letzte Quartal des Jahres 1401 datieren, da der hier erwähnte Zug König Ruprechts in die zweite Hälfte des Jahres 1401 fiel. Inwieweit kurkölnisches Gebiet durch den Bau der neuen Burganlage direkt betroffen war oder die kölnische Grenze verletzt war, ist nicht mit letzter Sicherheit zu beurteilen, jedoch ist zu berücksichtigen, dass der Ort Saffig damals kölnisches Lehen der Herren von Kempenich war und später seitens der Kurkölner als Unterherrschaft des Amtes Andernach betrachtet wurde. Über den Fortgang des Streites fehlen bis 1409 nähere Angaben, letztendlich musste jedoch der Kölner Erzbischof auf seine Forderungen verzichten und er fand sich mit einem Schreiben vom 26. März 1409 gegenüber Werner von Falckenstein mit dem Bestehen von Wernerseck ab (5).

Wernerseck wurde nun Sitz eines kleinen Amtes für das Gericht Ochtendung und Erzbischof Werner, später seine Nachfolger, setzte ”Amtmänner”, in der Regel Adelige, durch Verpfändungs-, zugleich Bestallungsurkunde als solche ein. Diese hatten auch für die bauliche Unterhaltung der Burg zu sorgen. Der wahrscheinlich erste Amtmann auf Wernerseck war der bereits weiter vorne erwähnte Konrad Kolbe von Boppard, der  von Werner von Falckenstein im Jahr 1412 eingesetzt wurde. M. Sponheimer zweifelt eine Amtsmannschaft des Ritters Peter von Treis an, der 1407 zum Amtmann bestallt worden sein soll, da er hierfür keinerlei Belege gefunden habe (6). Im sogenannten ”Amtsrevers” wurden die Pflichten sowohl des Amtmannes als auch des Erzbischofs festgeschrieben; Kolbe wurde darin zum Schutz und zur baulichen Unterhaltung nur der Burg selbst verpflichtet - ohne Erwähnung einer verwaltungsmäßigen Beziehung zur Vogtei Ochtendung -  und hatte danach ständig auf eigene Kosten auf der Burg zu weilen und dort auch einen weiteren bewaffneten Mann und ”drei reisige” (= berittene) Pferde zu unterhalten. Demgegenüber hatte der Erzbischof für den Lohn der Turmknechte, der Wächter und des Pförtners aufzukommen - bei letzterem jedoch nicht für dessen Verpflegung. Dem Amtmann standen dafür jährlich 1000 Gulden aus dem Engerser Zoll zu (7). 1421 bestellte Erzbischof Otto von Ziegenhain (1418 - 1430), der Nachfolger Werner von Falckensteins auf dem Trierer Bischofsstuhl, den Syfried Walpod von Bassenheim lebenslänglich zum Amtmann von Wernerseck. Auch in dessen Amtsrevers ist kein Bezug zur Vogtei Ochtendung enthalten. Es war darin eine Jahresrente von nunmehr nur noch 70 Gulden festgesetzt; um das Schloss jedoch in ordentlichem Bauzustand ”mit gedechen” zu halten, sollte dem Amtmanne der Dienst aus Dorf und Gericht Ochtendung sowie das nötige Bauholz aus dem Ochtendunger Wald zu Gebote stehen. Syfried Walpod übernahm die Verpflichtung, aus eigenen Mitteln 500 Gulden, wenn nötig auch mehr, für den Ausbau aufzuwenden. Die betreffende Summe sollte von Kurtrier dann abgetragen werden. Nach Ablauf von 4 Jahren stellte man 1425 fest, dass der Amtmann bis dahin 1.300 Gulden an Wernerseck verbaut hatte; die Abtragung dieser Summe wurde nun auf bede und ungeld zu Boppard verschrieben. In der betreffenden Urkunde (8) ist auch von einer Hauptsumme die Rede, für die Wernerseck verschrieben worden sei, woraus zu schließen ist, dass Syfried Walpod dem Kurfürsten bereits vor seiner Bestallung zum Amtmann eine bedeutende Summe vorgeschossen und als Pfand dafür die Amtmannschaft mit den damit verbundenen Einkünften übertragen bekommen hatte. 1445 quittierte Syfried über die Erstattung des unter Erzbischof Otto auf Wernerseck verbauten Geldes, wobei er zu dieser Zeit bereits als Rat des Erzbischofs Jakob von Sierck (1439 - 1456) fungierte und offenbar als Amtmann ausgeschieden war. 1448 erhielt Ritter Rulman von Geisbüsch die Bestallung als Amtmann über Schloss und Amt Wernerseck und ”alle Unterthanen, geistlich und weltlich, darein gehörig”. 1449 quittierte er über den Empfang von 20 Gulden ”in abslag myns amtgelts”, das ihm der Erzbischof jährlich von diesem Amte zu geben hatte. Er versah sein Amt also nicht, wie seine Vorgänger, im Rahmen einer ”Pfandamtmannschaft”, bei der, wie bereits vor erwähnt, die Amtmannschaft als Pfand für geliehene (vorgeschossene) Geldbeträge dem ”Kreditgeber” übertragen wurde, sondern er war gegen ”Gehalt” bestellt. Auch Dietrich von Nürburg genannt von Lehmen wurde 1460 als Amtmann gegen Gehalt bestellt, wobei in seinem Amtsrevers (8) die Aufgaben des Amtmannes etwas genauer beschrieben sind: Um das Schloss mit Wächtern, Turmknechten und Hütern gut versehen zu können, erhielt er vom Kurfürsten jährlich 20 Gulden und ein Fuder Wein, ferner die Nutzungen vom erzbischöflichen Weingarten bei Wernerseck und von anderem Zubehör daselbst, wie sie die bisherigen Amtmänner besessen, dazu aber die kleinen Bußen zu Ochtendung vollständig und die großen halb; die hohen Bußen an Leib und Leben blieben dem Landesherrn vorbehalten. Damit war der Amtmann von Wernerseck auch in Beziehung zur Ochtendunger Gerichtsbarkeit gesetzt. Weiterhin sollte er den Dienst genießen, wie er bislang zu Ochtendung dem Amtleuten von Wernerseck geleistet worden war. Da Dietrich das Schloss aus den Händen seines Schwagers Konrad von Kottenheim für 400 Gulden gelöst hatte, Schulden des Erzbischofs gegenüber Konrad, so war der Erzbischof diese Summe nun ihm schuldig. Erst nach Erstattung dieser Schuld sollte Dietrich seiner Stellung als Amtmann entsetzt werden können; somit bestand hier also auch eine Pfandschaft neben der eigentlichen Besoldung, wobei die Verpfändung jedoch nicht Grundlage der Besoldung war. Nach dem Tode Dietrichs gab dessen Witwe Merge von Kleeberg, zwischenzeitlich mit Dietrich von Hadamar verheiratet, die Burg Wernerseck und die Amtmannschaft im Jahr 1497 an Erzbischof Johann von Baden zurück, gegen die Zahlung von 400 oberländischen rheinischen Gulden und eine Rente auf Lebenszeit von 20 rheinischen Gulden aus der Kellerei Mayen. In der entsprechenden Urkunde heißt es, dass sie das Schloss ”als Leibzüchterin in Amts- und Pfandweise” innegehabt habe (7). Ob der in den erhaltenen Urkunden (7) im Jahr 1493 als Amtmann erwähnte Dietrich von Hardenborn ein Beamter der vorerwähnten Merge von Kleeberg oder ihr nunmehriger Ehemann (Dietrich von Hadamar - Dietrich von Hardenborn) ist und zu welchen Bedingungen dieser die Amtmannschaft innehatte ist nicht bekannt. Es folgen als Amtmänner Johann Schönhals von Albrechterode, der im Jahr 1502 die Erstattung von 400 Gulden quittierte, die er auf Schloß Wernerseck ausgegeben habe, als er es ”in Amtsweise innegehabt”. Offenbar hatte er diese Summe dem Erzbischof vorschießen müssen um Merge von Kleeberg auszulösen, wie wahrscheinlich auch sein Nachfolger Emmerich von Lahnstein, um wiederum Johann Schönhals auszulösen. Wahrscheinlich endete die ”Pfandamtmannschaft” mit diesem Emmerich oder bald nach ihm, es sind jedenfalls keine weiteren Amtsreverse mehr überliefert und den Vertrag aus dem Jahr 1530 zwischen dem Trierer Erzbischof Richard von Greifenklau und dem Peter von Lahnstein, in dem der Erzbischof eine Wiese zu Wernerseck gegenüber dem Kelterhause aus dem Besitz Lahnsteins eintauschte, beurkunden der erzbischöfliche Burggraf auf Wernerseck Jost sowie der Schultheiß und Schöffen zu Ochtendung. Offenbar hatte der Erzbischof zu dieser Zeit einen besonderen Beamten auf der Burg. Zur besseren Übersicht seien nachfolgend die Amtmänner von Wernerseck noch einmal tabellarisch aufgeführt, wobei jedoch kein Anspruch auf Vollzähligkeit erhoben wird und die Jahreszahlen nicht immer absolut gesichert sind:

  um 1407

Ritter Peter von Treiß (von M. Sponheimer angezweifelt, (6))

1412 - 1421

Konrad von Kolbe aus Boppard

1421 - 1445

Ritter Syfried Walpod zu Bassenheim

1445 - 1448

?

1448 - ?

Ritter Rulman von Geisbüsch

?

Konrad von Kottenheim

1460 - 1497

Dietrich von Nürburg gen. von Lehmen (nach dessen Tod seine Witwe Merge von Kleeberg?)

1493 - 1497

Dietrich von Hardenborn (od. von Hadamar) (Beamter, vielleicht auch 2. Ehemann der Merge von Kleeberg)

1497 - 1502

Johann Schönhals von Albrechterode

1502 - ?

Emmerich von Lahnstein

Mit Ausnahme des Syfried Walpod von Bassenheim hatte aber offensichtlich keiner der Amtmänner größere Summen in irgendwelche Erweiterungen oder Ergänzungsbauten gesteckt, die Bautätigkeiten der Amtmänner schienen sich offensichtlich nur auf reine Bauunterhaltungs- und Ausbesserungsarbeiten beschränkt zu haben, wie man auch aus einer Zusicherung (7) des Kurfürsten gegenüber Emmerich von Lahnstein kurz nach dessen Amtsantritt schließen kann, wonach er sowohl die von seinem Vorgänger Johann Schönhals an ”Scheuern und Ställen” verbauten und durch Emmerich erstatteten 17 Gulden als auch die, die von ihm selbst an Schloss Wernerseck, sein Backhaus und Pferdestall und sonst aufzuwendenden 40 Gulden vor dem Abgang ersetzt erhalte. Die vorliegenden urkundlichen Quellen liefern aber auch keine Baubeschreibungen, aus denen man Angaben über Zustand und Erscheinungsbild der Burg in dieser Zeit herauslesen kann, so dass über das tatsächliche ursprüngliche Aussehen von Wernerseck keine definitive Aussage gemacht werden kann ( s. a. Kapitel 3 - Baubeschreibung).

Um diese Zeit, also Ende des 15./Anfang des 16. Jahrhunderts, hatte Wernerseck seine militärische Bedeutung als Bollwerk des Erzstiftes Trier gegen Kurköln und in der noch fremden Pellenz verloren, da diese mittlerweile praktisch auch kurtrierisch geworden war (1), auch die Vogtei Ochtendung bedurfte nicht mehr ihres Schutzes. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Erzbischof Johann von Hagen sich entschloss, die Burg von der Vogtei Ochtendung zu trennen und die Burg abzustoßen. Er verpfändete 1541 "des Erzstifts Behausung" für 1000 Gulden seinem Amtmann zu Pfalzel Georg von Eltz zu Langenau (1) und bestätigte den Vertrag nach Zustimmung des Domkapitels im darauffolgenden Jahr. Georg von Eltz verpflichtete sich in diesem Vertrag, dort künftig auf eigene Kosten einen Burggrafen oder Diener zu halten und für nötige Wiederherstellungsarbeiten und den Ausbau der Burg 1000 Goldgulden aufzuwenden (um das Haus an “Portten, Thurmen und Mauern und allem anderen seinem Bauw... uffrichtig und unvergenklich handthaben” und wenn jetzt etwas an “Dach oder Fach” beschädigt sei, dasselbe wiederherstellen). Von Ochtendung ist in diesen beiden Urkunden nicht (mehr) die Rede, der Ort war in die Pfandschaft nicht mit einbegriffen. Die erforderliche Zustimmung des Domkapitels und die nunmehr vereinbarten höheren Summen für Pfandschaft und Ausbau machen es wahrscheinlich, dass die diesmalige Verpfändung nicht mehr unter die herkömmliche Art der Amtmannsbestallung zu rechnen ist. 

 P. Lehfeld (9) beschreibt 1886 das "der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entsprechend" mit Fenstern, Türen und Kaminnischen versehene zweigeschoßige Wohngebäude in der Burganlage, so daß man hieraus schließen kann, daß in der Zeit nach der o.a. Verpfändung von den neuen Besitzern größere Umbaumaßnahmen, zumindest am Wohnbereich der Burg, vorgenommen wurden. Vielleicht wollte man Wernerseck zu einem ständigen Wohnsitz herrichten. Bis zum Jahre 1623 fehlen jedoch sichere Angaben, wer die Burg bewohnte. In diesem Jahr verpachtete Hans Caspar von Eltz-Rübenach, der Schwiegersohn (verheiratet mit der Tochter Maria Elisabeth)  und offenbar Erbe des letzten Herrn von Eltz zu Langenau, Johann Henrich, die Burg mit den dazugehörigen Äckern, Wiesen und Weingärten an einen Zirves Sabershausen der fortan Wohnhaus, Ställe und Scheunen in Stand zu halten hatte, wobei sich Hans Caspar die Benutzung des Turmes nach Belieben vorbehielt. Gleichzeitig erhielt Johann Essig aus Ochtendung für ein Jahr das Recht eingeräumt "uf dem thürmgen obig der alter porten" zu wohnen. 1638 wurde dieser Johann Essig selbst Pächter der Burg. Zwei Jahre zuvor sollte Caspar von Eltz Wernerseck von Erzbischof Philipp Christoph von Sötern offiziell als Mannlehen erhalten, nachdem Erzbischof und Domkapitel sich offenbar nur in langwierigen Verhandlungen hierauf einigen konnten, mit der Verpflichtung 2000 Reichstaler zur Wiederherstellung der verfallenen Burg aufzuwenden. Diese Aufwendungen sollten erstattet werden, wenn der Kurfürst die Burg wieder selbst in Besitz nehmen würde. Die tatsächliche Belehnung durch den Kurfürsten erfolgte dann jedoch erst 12 Jahre später, im Jahre 1648. In den jeweiligen folgenden Lehnsbriefen für die Nachkommen ist die Verpflichtung bezüglich der zu verbauenden 2000 Reichstaler immer wieder aufgeführt, ja im Lehnsbrief für die beiden Brüder Franz Ludwig und Franz Georg von Eltz-Rübenach wird im Jahre 1743 ausdrücklich erwähnt, daß die bisherigen Lehnsinhaber den festgelegten Betrag noch nicht verbaut hätten, und daß die neuen Lehnsträger nunmehr dieser Verpflichtung nachzukommen hätten. Diese Bedingung wird aber auch in den nachfolgenden Lehnsbriefen weiter fortgeschrieben, zuletzt in der Belehnung für Emmerich Joseph von Eltz vom 5. Mai 1792 (10). Hieraus kann man mit Sicherheit annehmen, daß aus dem beabsichtigten Um- und Ausbau der Burganlage nichts geworden ist. Es existieren zwar im Archiv zu Wahn (10) Skizzen und Zeichnungen für einen umfangreichen Umbau von Wernerseck zu einen den damaligen Ansprüchen der Zeit entsprechenden, herrschaftlichen Schloss, doch sind diese Pläne, wie auch die vorhandenen Überreste zeigen, nie realisiert worden. Wenn man bedenkt, daß 1636 die Anlage bereits als "verfallen" eingestuft wurde und 1792 noch immer keine Sanierung stattgefunden hatte, die Bausubstanz also über mehr als 150 Jahre praktisch nur notdürftig unterhalten und ausgebessert wurde, dann kann man sich vorstellen, wie trostlos es Ende des 18. Jahrhunderts dort ausgesehen haben muß. Wernerseck ist wahrscheinlich mit dem Zustand auf der aufgelassenen Burg zu vergleichen, die Jakob Wassermann in seiner historischen Erzählung "Der Aufruhr um den Junker Ernst" schilderte:

"Es war alles verhaust, alles brüchig, alles vermorscht. An Regentagen regnete es durch das Dach in die oberen Flure und Gemächer, das Tor ging nicht zu, die Schlote waren eingestürtzt, die Türen schlotterten in den Angeln. Zerbrochene Fenster waren mit Papier verleimt oder durch Bretter ersetzt, die Schwellen waren wurmstichig, die Dielen zertreten, die Öfen verstopft, in den Mauern saß der Schwamm. Im großen Saal tummelten sich die Ratten und Mäuse in vergnügten Herden. Im Keller stand das Wasser klafterhoch, der Stall war windschief und am Ziehbrunnen waren die Randsteine abgebrochen(13).

Durch die Trennung von Burg und Vogtei hatte Wernerseck praktisch keine eigenen Einkünfte mehr, wie dies vordem der Fall gewesen war, auch waren die Dienstpflichten der Ochtendunger gegenüber den jeweiligen Burgherren weggefallen. So kam es zum Beispiel gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges zwischen Caspar von Eltz und dem Schultheißen von Ochtendung sowie dessen Vorgesetzen, dem Amtmann zu Münstermaifeld, zu einem mehrjährigen Streit (1644 - 47), weil die Ochtendunger beim Durchzug von Kriegsvolk nicht, "wie von alters üblich", zur Wacht nach Wernerseck, sondern nach Koblenz befohlen wurden (10). Nur die spärlichen Erträge aus den zur Burg gehörigen Feldern und Weinbergen reichten bei weitem nicht aus, die Kosten für die Unterhaltung der Burg zu decken, so daß dort praktisch nichts mehr investiert wurde. Die Herren von Eltz rundeten lediglich Ihr Besitztum ab, so durch den Erwerb des am Fuße des Burgberges an der Nette gelegenen Kelterhauses, welches sie im Jahre 1690 von den Herren von Breitbach-Bürresheim gegen den bis dahin eltzischen Hof zu Hirten in der Grafschaft Virneburg eintauschten (10).

 - Dieses Kelterhaus, der heutige Keltershäuser Hof und "Taufpate" für den landläufigen Namen "Keltersburg", wird erstmals urkundlich erwähnt in der weiter vorne angeführten Tauschurkunde von 1530, mit der der trierische Kurfürst Richard von Greiffenklau eine Wiese "gegenüber dem Kelterhause" aus dem Besitz des Werner von Lahnstein eintauschte (8). -

Die Grafen von Eltz-Rübenach setzten dort nunmehr einen Hofmann ein. Dieser lag in einem dauernden Streit mit dem Pfarrer von Plaidt und dem dortigen Zehntbeständer, da das Kelterhaus auf Plaidter Gemarkung lag, der Hofman sich aber nicht zur Zehntentrichtung an Plaidt bekennen wollte (10). Verschärft hat sich dieser Streit mit Sicherheit noch, als die Eltzer Burg und Kelterhaus zu einem Pachtstück zusammenfaßten und ab 1761 das "freiadelige Gut zu Wernerseck, das Schloß mit dem sogenannten Kelterhaus, Scheuer und Stallungen" immer wieder auf neun Jahre an die Familie Hilgert verpachteten (10).

 Da Emmerich Joseph von Eltz-Rübenach sich während der napoleonisch-französischen Besetzung der Rheinlande als kooperativ zeigte, wurde sein Eigentum von den Franzosen nicht sequestriert, ihm wurde im Gegenteil das Amt des Maire zu Bassenheim übertragen, das er später auch unter preußischer Verwaltung behielt. Emmerich Joseph glaubte aber, zur Erhaltung eines wirklich lebensfähigen Familiengutes, sich der unrentablen Güter und Ländereien entledigen zu müssen. Hierzu gehörte dann auch Wernerseck: Am 25. Februar 1815 ersteigerte der Steuerempfänger Hugo Burret aus Saffig für 3200 Franken oder 1000 Reichstaler alle Bestandteile des Hofgutes Wernerseck in den Gemarkungen Ochtendung und Plaidt. In dem betreffenden Versteigerungsprotokoll werden im einzelnen aufgeführt:

Ein Hofhaus mit zwei zugehörigen Gärten, Hof, Stallung und Scheune, 30 Morgen, 80 Ruten (10,2529 ha) Ackerland, dem 13 Morgen (4,5029 ha) haltenden Schloßberg mit dem alten Schloß, dem 6 Morgen 24 Ruten (2,1279 ha) haltenden Werthe mit der errichteten Dienstbarkeit, durch den Hofraum der Gebäulichkeiten einen Kanal von 1/2 Schuh oder 15 cm Tiefe und 3 Schuh oder 86 cm Breite gehen zu lassen, um die unterhalb des Hofgebäudes gelegene und zum Gut gehörende Wiese gehörig wässern zu können.

Man kann mit Sicherheit annehmen, daß die eigentliche Burg aufgrund der weiter vorne beschriebenen Umstände nicht mehr bewohnt war, als sie so in den Besitz der Familie Burret kam. Schlechter Zustand und abseitige Lage hatten wohl dazu geführt, daß die Burg verlassen wurde, wobei sich die abseitige Lage aber auch als Vorteil erwies, indem Wernerseck nicht in dem Maße von der Bevölkerung als Steinbruch genutzt wurde, wie es bei vielen anderen aufgelassenen Burgen der Fall war. Somit ist uns die Burgruine Wernerseck, trotz aller Verfallserscheinungen, auch heute noch als ein Beispiel einer geschlossen und einheitlichen spätmittelalterlichen Wehranlage erhalten. 

Die Burg blieb im Besitz der Familie Burret bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts und wurde 1963 vom damaligen Besitzer Cyriak Weiler seiner Heimatgemeinde Ochtendung geschenkt (s. Kapitel 6).

 

3. Baubeschreibung

 Anhand einer Beschreibung der Anlage in der Dokumentation "Kunstdenkmäler der Rheinprovinz", aus dem Jahre 1941 (11), anhand von Aufmaßblättern des Fr. Krause aus dem Jahre 1930 (12) sowie aus den heute noch vorhandenen Teilen der Burg kann die Anlage relativ gut dargestellt werden. Die nebenstehende Lageplanskizze der Burganlage wurde nach den o.a. Aufmaßblättern gefertigt.

Die Gesamtanlage der Burg Wernerseck besteht aus der östlich gelegenen, ein Fünfeck bildenden Hauptburg und einer westlich vorgelagerten zwingerartigen Vorburg. Zur Anlage dieses "Zwingers" zwang die unmittelbar vor der Hauptburg gelegene Felskuppe (1), von der aus die Hauptburg bedroht werden konnte. Durch eine nur noch in Ansätzen vorhandene Mauer (2) hatte man diese Kuppe wohl mit in die Befestigungsanlage eingebunden. In dieser Mauer befand sich auch nordwestlich, am Fuß der Kuppe das Tor (3) zur Vorburg. Durch dieses Tor gelangt man zunächst in den schmalen Teil des Vorburghofes (4), an dessen linker, nördlicher Seite, zum Abhang hin, die Spuren einer früheren Abschlußmauer zu erkennen sind. Auf der rechten Seite findet man, an die Felskuppe angelehnt, die Reste eines Gebäudes, vielleicht der ehemaligen Wachstube. Es kann sich hier aber auch genauso gut um ein sonstiges Nebengebäude, wie etwa Stall oder Scheune handeln. Ca. 35 m hinter dem ersten Tor befindet sich an der Nordwestecke des Hauptburgberings der Torbau (7), durch den man in den eigentlichen Burghof gelangt (8). An den übrigen drei Ecken ist der Burgbering mit jeweils einem Rundturm bewehrt (10)(16)(17), so daß man mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, daß auch der Torbau einen turmähnlichen Charakter hatte. Die heute noch vorhandenen Mauerteile stammen aus verschiedenen Bauperioden, am Torbau wurden also während der Nutzung offensichtlich größere Veränderungen vorgenommen (Bild 4.1). Sowohl das äußere wie auch das innere Tor des Torbaues weisen die auch am Bergfried an zutreffende Bossenquaderung (Bild 4.2 u. 4.3 a/b) aus Basaltlava auf, ein Charakteristikum, das die Bauhistoriker dem 16. Jahrhundert zuschreiben, was aber zumindest für den Bergfried nicht zutreffen kann, da dieser wohl ohne Zweifel in der ersten Bauperiode, also zu Beginn des 15. Jahrhunderts errichtet wurde. Ein ehemals stichbogiger Durchgang führt zwischen den beiden Toren zu einem kleinen, ehemals überdeckten Raum (7a), vielleicht dem Aufenthaltsraum des Pförtners, der an einer Seite vom bearbeiteten Fels begrenzt wird. In dieser Felswand sind deutlich die Spuren eines früheren, treppenähnlichen Aufganges zu sehen (Bild 4.4), so dass man annehmen kann, dass von hier ein direkter Zugang zum Burginneren bestand. Der vom Torbau zum südwestlichen Rundturm (10) führende Teil der Ringmauer (9) ist nur noch in ganz geringen Resten zu erkennen (Bild 4.5 u. 4.6), ganz im Gegensatz zu den übrigen drei Seiten, die noch relativ gut erhalten sind. Der Rundturm war dreigeschoßig ausgelegt, mit basaltgerahmten Schießscharten und mit offensichtlich zwei Aborterkern auf vorkragenden Basaltkonsolen (Bild 4.6) versehen, die noch heute sehr gut erkennbar sind. Anhand der unterschiedlichen Brüstungshöhen mehrerer Fenster sowie der beiden erwähnten Aborterker kann man darauf schließen, dass dieser Turm wahrscheinlich als Treppenturm für ein (geplantes) größeres Pallasgebäude vorgesehen war.  Der Außendurchmesser beträgt 4,80 m. Die vom Turm zum Wehrgang der Westmauer führende Tür ist ebenfalls noch gut erhalten, mit Basaltquadern gerahmt und oben dreiecksförmig geschlossen (Bild 4.5). Nord- (11) und Südmauer (13) hatten eine Höhe von ca. 6 m, wohingegen die Ostmauer (12) ca. 10 m hoch war. Diese Mauerteile aus Bruchsteinmauerwerk sind noch relativ gut erhalten und lassen das Konstruktionsprinzip noch sehr gut erkennen: Der eigentlichen Mauer sind an der Süd- und Ostseite ca. 80 cm vortretende Tragbögen vorgelagert (Bild 4.8) die zum einen den massiven Mauern (Ostmauer ca. 80 cm, Südseite ca. 1,20 m stark) eine noch größere Stabilität verliehen, zum anderen zur Aufnahme des Wehrganges dienten. Bei den angegebenen Mauerstärken zuzüglich der Tragbögen und unter Berücksichtigung einer gewissen Brüstungsstärke dürfte der Wehrgang etwa eine Breite von ca. 1,20 - 1,40 m gehabt haben. An der Nordmauer (Bild 4.7) sind solche Bögen nicht vorhanden, hier ist die für den Wehrgang benötigte Verbreiterung wahrscheinlich durch entsprechende Holzkonstruktionen erreicht worden. Eine an der Nordostecke zum Wehrgang hochführende Treppe ist in der Örtlichkeit noch heute gut zu erkennen (Bild 4.9) - es wird jedoch eindringlich davor gewarnt, diese Treppe hinaufzusteigen. Die Nordost- und die Südostecke der Ringmauer sind ebenfalls mit vorspringenden Rundtürmen bewehrt (16)(17), die vermutlich ebenso dreigeschoßig waren, wie der Südwestturm. Der Nordostturm hat einen Außendurchmesser von 4,80 m, der Südostturm von 4,20 m, bei Mauerstärken zwischen 80 cm und 1 m. Ihre frühere Höhe dürfte bei etwa 12 m gelegen haben. Der Nordostturm lässt noch Konsolenansätze erkennen, die wahrscheinlich zur Abstützung - außen – mit Brückenauflagern einer vorkragenden Wehrplatte dienten. Es ist zu vermuten, daß auch die beiden anderen Türme eine solche Konstruktion aufwiesen.

Es ist auffallend, daß in der östlichen Wehrmauer zwei Eingangstore vorhanden sind, jeweils neben den Rundtürmen gelegen. Das südliche Tor (18), ca. 2,20 m breit, war wohl ehemals spitzbogig und mit einem Basaltgewände versehen, das jedoch heute ausgebrochen ist (Bild 4.10). Das andere, nördliche Tor (19) war ca. 2,60 m breit, mit einer Bossenquaderung aus Basaltlava versehen und flach rundbogig abgeschlossen (Bild 4.11). Dieses Tor, interessanterweise ca. 4,50 m über derzeitigem Hofniveau gelegen, wurde wohl schon zu Zeiten wieder geschlossen, da die Burg noch bewohnt war, da das Füllmauerwerk Schießscharten aufweist. Für beide Tore muß eine Brückenanlage existiert haben, da vor diesem Teil der Ringmauer ehemals ein ca. 8 m breiter Halsgraben angelegt war. Die Auflager für die Brückenkonstruktion sind beim nördlichen, zugemauerten Tor noch vorhanden (Bild 4.12). Der Zweck dieser Tore ist nicht genau bekannt, vielleicht befanden sich auf dem östlich sich anschließenden Gelände noch zur Burganlage gehörige Gebäude, wie Burgmannshäuser oder Wirtschaftsgebäude, die diese Toranlagen benötigten.

 Der wuchtige Bergfried (14) bestimmt das Erscheinungsbild der Burg (Bild 4.13). Mit Außenabmessungen von 9,15 m x 11,50 m erhebt er sich als viergeschoßger Wohnturm noch heute ca. 25 m hoch auf einem etwas höher gelegenen Felsplateau. Wuchtig sind auch die Mauern dieses Turmes, im Untergeschoß beträgt die Mauerstärke ca. 2,90 m und verjüngt sich innen je Geschoß um etwa 40 cm. Das Untergeschoß ist nur vom darüberliegenden Geschoß über ein Loch in der tonnengewölbten Decke zu erreichen.

Auch das 1. Obergeschoß hat keinen direkten Zugang vom Burghof aus, es war ursprünglich wahrscheinlich nur über eine Holzbrücke vom westlich gelegenen Nebengebäude (15) zugänglich - der ca. 11 m hoch gelegene Eingang an der Westseite des Turmes (Bild 4.14) legt diese Vermutung auf jeden Fall nahe, außerdem beschreibt Lehfeldt (9) noch einen gegenüberliegenden Eingang im zweiten Geschoß des Nebengebäudes. Das Turmgeschoß hatte bis zur Renovierung im Jahr 1964 aber auch noch eine zweite türgroße Öffnung an der Ostseite (Bild 4.15), vielleicht als direkten Zugang zum Wehrgang der Ringmauer, wahrscheinlich jedoch auch nur ein in späterer Zeit größer gebrochenes Fenster (vgl. Abschn. 6). 

Im zweiten Obergeschoß tritt an der Ostseite über einer doppelten Basaltkonsole ein Erker aus dem Mauerwerk vor, der im Gegensatz zum gesamten übrigen Bruchsteinmauerwerk in Tuffstein ausgeführt ist (Bild 4.15) Dieser Erker diente als Altarnische des Kapellenraumes (Bild 4.16), ein sechsteiliges Rippengewölbe mit dem kurtrierischen Wappen im Schlußstein ist noch relativ gut erhalten (s. Anhang 2 – Bild A.11) des zweiteiligen gotischen Maßwerkfensters sind ebenfalls noch erkennbar. Die Innenwände dieses  Raumes waren mit ziemlicher Sicherheit holzvertäfelt, die Unterkonstruktion hierfür war in die Wand eingebunden, die entsprechenden Aussparungen hierfür sind deutlich sichtbar (Bild 4.18).

Das dritte Obergeschoß war nach oben durch ein relativ steil ansteigendes Satteldach abgeschlossen, mit Treppengiebeln an der West- und Ostseite (s. Anhang 1: Aufmaßskizzen Krause). Auf der Außenseite wies dieses Geschoß noch einen, teilweise vorspringenden, auf einem Rundbogenfries mit Basaltkonsolen (Bild 4.15) aufgelagerten,  teilweise in das Mauerwerk eingelassenen Wehrgang (Bild 4.19 u. 4.20) auf, mit achteckigen Wehrtürmchen an den 4 Ecken. Diese Türmchen sind wiederum aus Tuffsteinziegeln gemauert, wie der Kapellenerker. Die “Dachneigung” lässt sich noch heute an Mauerwerks-Aussparungen für die Ortgangsparren (Bild 4.19 / Anhang 2 - Farbbilder)) ablesen. 

Erschlossen werden die oberen Geschoße vom Eingangsgeschoß aus über Treppen (Bild 4.17 / Anhang 2 - Farbbilder), die in die nördliche Außenwand eingebaut sind. In der südlichen Außenwand befindet sich ein über alle Geschosse geführter Schacht, vermutlich die Abortanlage des Wohnturms (Bild 4.16 u. 4.21), die so konstruiert war, dass man sie in allen drei Wohngeschossen benutzen konnte, ohne von einem ”Benutzer” im jeweils darüberliegenden Geschoß in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Heute ist dieser Schacht am Fußpunkt zugemauert. In den drei oberen Geschossen sind die alten Kamine noch gut zu erkennen (Bild 4.16 u. 4.20 / Anhang 2 - Farbbilder). Eine Nische von ca. 2 m Breite und Höhe am östlichen Fußpunkt des Bergfriedes (Bild 4.23) ist mit großer Wahrscheinlichkeit erst später in den Fels gehauen worden und findet an sich keine logische Erklärung - versuchte man hier eventuell einen ebenerdigen Eingang in den Wohnturm zu brechen oder war sie für am Ende für eine Sprengung bestimmt?. An der östlichen Ecke der Nordwand sind bis zu einer Höhe von ca. 9 m auskragende Mauersteine (Bild 4.22) erhalten, die wohl (?) für die Einbindung einer ebenso hohen und ca. 1,50 m dicken Mauer gedient haben. Ob das heute unverputzte Bruchstein-Mauerwerk ursprünglich außen verputzt war, lässt sich mit letzter Sicherheit nicht klären, ist jedoch als sehr wahrscheinlich vorauszusetzen, da man solches Mauerwerk in jener Zeit ”normalerweise” verputzte und zudem Putzreste an verschiedenen Stellen noch erkennbar sind (Bild 4.13 u. 4.15); der Putz diente hierbei in der Hauptsache als Verwitterungsschutz. Charakteristisch für den Bergfried ist auch die Bossenquaderung aus Basaltlava an den Ecken und der Rundbogenfries mit Basaltkonsolen unterhalb des oberen Wehrganges. Ein ca. 30 cm breites Basaltband (Bild 4.22 u.4.23) aus glatt behauenen Steinen in etwa 4,70 m Höhe, jedoch nur in der Ost- und Südwand des Turmes, fällt ins Auge. Türen und Fenster des Wohnturmes hatten alle eine schmalrechteckige Form und waren mit Basaltgewänden versehen, die Fenster wohl auch mit einer Quersprosse aus Basalt. Bei dem bereits erwähnten westlichen Nebengebäude (15) handelt es sich ebenfalls um ein Wohngebäude, ursprünglich wahrscheinlich mindestens zweigeschoßig. Es besitzt einen Keller mit Tonnengewölbe (Bild 4.24 u. 4.25), rechteckige Fenster mit leicht gekehlten Basaltgewänden und an der Südwand noch eine deutlich erkennbare Kaminnische (Bild 4.26). An der östlichen Außenmauer könnte sich noch ein Anbau befunden haben, da das Mauerwerk hier noch "Innenputz"-Reste aufweist (Bild 4.27) und auch einen Dachansatz erkennen lässt. Nach Bornheim (16) sind zumindest Teile dieses Gebäudes – so. z. B. der Türsturz – dem 14. Jahrhundert zuzurechnen.

 Zwischen diesem Wohngebäude und dem Bergfried hat sich der Rest einer ca. 1,20 m starken Mauer (21) erhalten  mit glattem Abschluß an ihrem südlichen Ende. Ziemlich eindeutig ist dieses Ende als Türanschlag zu identifizieren (s. Beitrag „Ältere Baureste...). Eine Deutung kann man nur in Frageform kleiden: Handelt es sich um Reste der Ringmauer einer kleineren früheren Burganlage? Oder um Reste einer Toranlage für einen vielleicht doch externen Treppenaufgang zum Bergfried? Als sicher kann nur angenommen werden, daß diese Mauerreste älter eingestuft werden müssen als das westliche Wohngebäude.Weitere Mauerreste (20) befinden sich zwischen der Südwestecke des Bergfrieds und dem runden Südwestturm, auf sorgfältig behauenem Fels aufsitzend (Bild 4.28). Eine gemauerte Treppe (Bild 4.29) führt am westlichen Ende der Mauerreste auf das Niveau des Nebengebäudes. Auch diese Reste sind in die erkennbare Burganlage nur schwer oder gar nicht einzuordnen, hinzu kommt, dass es sich um relativ inhomogenes Mauerwerk handelt, das wahrscheinlich aus unterschiedlichen Bauepochen stammt

 

4. Geschichtliche Einordnung

Den uns landläufig bekannten Burgen ist eine gewisse "zivile Note" eigen, da ihr Erscheinungsbild durch das Hervortreten von Wohnbauten bestimmt wird. Dieser Eindruck kann bei der Burg Wernerseck nicht aufkommen, da Wohnbauten in größerem Umfange wohl nie vorhanden waren und somit das Erscheinungsbild immer geprägt wurde durch die turm-bewehrte Ringmauer mit Brüstung - allenfalls mit überdachtem Wehrgang - und dem alles überragenden und, infolge der relativ kleinen Anlage der Burg, mächtig erscheinenden Turm. Es zeigt sich hier deutlich der sich im Laufe des 14. Jahrhunderts erkennbare Wandel von der traditionellen Wohnburg zur nur noch abwehrtechnischer Zweckmäßigkeit folgenden militarisierten Burg, die jedoch aufgrund sich wandelnder "Kriegskunst" und Entwicklungen in der Waffentechnik schon bald zur Funktionsunfähigkeit verurteilt war. Wernerseck war nie als herrschaftlicher Wohnsitz eines Territorialherrn oder eines seiner gewichtigen Vasallen konzipiert, sondern als rein militärische, der Obhut eines Burgvogtes unterstellte Grenzburg. Sie diente diesem Burgvogt zwar auch als Wohnsitz, hierzu genügte aber ein bescheidene Unterkunftsmöglichkeiten bietender Wohnturm, denn trotz relativ gewaltiger Außenabmessungen sind die Maße der Innenräume doch als sehr bescheiden zu bezeichnen, da hier viel größerer Wert auf die Wehrhaftigkeit des Turmes als auf Komfort gelegt wurde.

Ein Wandel trat hier wahrscheinlich ab Mitte des 16. Jahrhunderts ein, als die Burg ihren Charakter als eigentliche Landesburg und Sitz des Ochtendunger Amtes verlor und (ständiger) Wohnsitz von Pfandgläubigern und später von Lehnsträgern wurde, die doch höhere Ansprüche in bezug auf Wohnlichkeit stellten, als die Burg dies zu bieten vermochte. Sie fanden sich nicht mit der Enge des Wohnturmes ab und lösten das Problem vermutlich im Ausbau des Wohngebäudes und planten wohl den Aus-/Einbau eines größeren Pallasgebäudes im Anschluss an den südwestlichen (Treppen-)Turm. Aber mit dem Verlust der herrschaftlichen Macht verlor die Burg (bzw. ihre neuen Burgherren) auch die materielle und personelle Unterstützung aus der Umgebung und wurde so mit der Zeit zu einem untragbaren Zuschußobjekt. Auf Dauer war sie einfach nicht mehr zu halten und verfiel zwangsläufig mit der Zeit.

 

 5. Interpretation der Befundsituation

Die nachfolgende Interpretation der ”Baugeschichte” ist nicht wissenschaftlich nachgewiesen, sondern basiert weitestgehend auf eigenen Überlegungen der Autoren dieses Buches und stützt sich auf Befunde im und am Mauerwerk sowie auf Bearbeitungsspuren im Fels.

Mit großer Sicherheit ist davon auszugehen, dass sich an der Stelle, an der heute noch die Reste der Burg / des Schlosses Wernerseck stehen, bereits vor 1401 bauliche Anlagen mit burgähnlichem Charakter standen. Inwieweit diese bei Baubeginn der ”neuen” Burg noch vorhanden waren, kann nicht geklärt werden, jedoch Bearbeitungsspuren im Fels und vor allem auch die Bezeichnung des Bauplatzes ”auf dem berge genannt Alteburg bei Andernach” in der ”Ansprache und Forderung” der kurkölnischen Seite aus dem Jahre 1402 (vgl. Abschn. 2: Geschichte der Burg Wernerseck) geben einen deutlichen Hinweis auf  Vorgängerbauten. Bornheim (16) ordnet z. B. auch den kleineren Wohnbau (15) einer älteren Bauphase zu, da seiner Meinung nach dieser Bau in seiner Grundanlage dem 14. Jahrhundert zuzuordnen sei, was er aus dem Giebelsturz des Türeingangs schließt. Ausführlich ist hierzu im Beitrag „Altere Baureste in der Burg Wernerseck“ Stellung genommen.

Der 1401 von Werner von Falckenstein begonnene ”Neubau” seiner Burg Wernerseck hatte mit großer Wahrscheinlichkeit nicht die Abmessungen der heutigen Anlage. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass es sich ursprünglich um eine wesentlich kleinere Anlage handelte, bestehend aus dem massiven Bergfgried (Wohnturm) als südöstlichem Eckturm einer nahezu rechteckig verlaufenden Ringmauer, dem diagonal gegenüber in der nordwestlichen Ecke sich ein Torturm befand (s. Lageplanskizze). Der von der Südwestecke des Turmes nach Westen fortführende Teil der Ringmauer nutzte wahrscheinlich den (im Zuge von Vorgängerbauten) bereits bearbeiteten Fels als Fundamentbasis (Bild 4.28) oder gar sich darauf noch befindliche Mauerteile oder -reste, knickte nach ca, 19 m in nördlicher Richtung ab und stieß nach weiteren ca. 15 m auf den (nahezu) rechteckigen Torturm. Auch von dieser Mauer sind Bearbeitungsspuren im Fels noch nachweisbar. Die ursprünglichen Abmessungen das Torturmes lassen sich noch heute an den Mauerresten des vorhandenen (später erweiterten) Torbaues erkennen (Bild 4.1). Von der Nordostecke dieses Torturmes an ist die alte Ringmauer identisch mit der noch erhaltenen und verläuft in östlicher Richtung ca. 20 m lang bis zu einem deutlich sichtbaren Absatz, etwa dort, wo heute die Treppe zum ”Wehrgang” hinaufführt (Bild 4.30) knickte sie mit großer Wahrscheinlichkeit ab und schloss an die Nordostecke des Bergfrieds an, dort wo heute noch die auskragenden Mauersteine zu erkennen sind (Bild 4.9 u. 4.14), die die Ringmauer mit dem Turm verzahnten. Auf die Tatsache, dass der Bergfried wahrscheinlich eine Außenecke einer zunächst kleineren Burganlage bildete, deutet auch der Basaltfries an, den wir nur in der Ost- und in der Südwand, also in den beiden ”Außenwänden” finden (Bild 4.15, 4.22 u. 4.23). Außerdem scheint der vorgelagerte Bereich, der heutige Burghof, als Wallgraben gedient zu haben, denn er ist bedeutend tiefer als das Plateau, auf dem der Bergfried errichtet ist (vgl. Beitrag „Ältere Baureste ... – Stelle 15). Ob das westlich des Bergfrieds stehende (Wohn-)Gebäude (15) - oder gegebenenfalls ein anderes - Bestandteil der kleineren Anlage war und wie der Zugang zum Bergfried ausgebildet war, kann zur Zeit nicht ausgesagt werden, es gab aber mit ziemlicher Sicherheit weitere Baulichkeiten, wie Unterkünfte für Bedienstete und Stallungen. Auch der Mauerrest (21) zwischen Bergfried und Wohngebäude, auf Grund seines noch heute sichtbaren Zustandes ziemlich eindeutig als Tür- oder Toranschlag zu identifizieren (wobei das Gegenstück fehlt) lässt uns rätseln und spekulieren: Ist es Teil eines Vorgängerbaues – warum blieb es dann stehen? War es ein Eingangsbauwerk zum Bergfried – wo ist der andere Türanschlag?

Wahrscheinlich unter Syfried Walpod als Amtmann, der ja, wenn man den vorliegenden Urkunden glauben darf, mehr als 1.300 Gulden an der Burganlage verbaute, also um 1420 wurde das heute noch in Resten vorhandene Wohngebäude errichtet, von dem aus auch der vermutlich endgültige Zugang zum eigentlichen Wohnturm in Form einer Zug- oder Wippbrücke hergestellt wurde. Der Einbau des heute noch teilweise erhaltenen tonnenartigen Gewölbes wurde wahrscheinlich nachträglich aus statischen Gründen erforderlich, weil es zu unterschiedlichen Setzungen kam - heute noch an der Nordwestecke der Ruine zu erkennen - und deshalb für eine wirksame Aussteifung gesorgt werden musste. Die Auflager für dieses Gewölbe sind, ebenfalls deutlich erkennbar, nachträglich aus dem Mauerwerk herausgebrochen worden. In der nördlichen Außenwand fallen im unteren Bereich drei sogenannte Spolien (Duden: Spolie = aus anderen Bauten wieder verwendete Bauteile) auf, die hier mit vermauert sind. Ein Tuffstein und zwei Basaltsteine (Bild 4.31) „untypische“ Steine im Vergleich zum allgemein verwendeten Schiefer, dürften aus ehemaligem, abgebrochenem Mauerwerk stammen und sind damit auch ein Beleg dafür, dass entweder Teile der Burganlage umgeändert wurden oder dass Vorgängerbauten sich hier befunden haben.

 Wann die Anlage auf die heutiger Größe erweitert wurde, kann mit Sicherheit nicht gesagt werden - vielleicht könnten dendrochronologische Untersuchungen an eingebauten Holzteilen, z.B. am hochliegenden Sturz des Südostturmes (Bild 4.32) hierüber Aufschluss geben. Ohne solche wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden jedoch kann man sich nur auf Vermutungen stützen. Da, wie weiter vorne beschrieben, auf Grund der jeweils nur sehr eingeschränkt investierten Gelder davon auszugehen ist, dass die Amtmänner nach Syfried Walpod keine größeren Um- und Ausbauarbeiten getätigt haben, muss man annehmen, dass die Erweiterung erst nach deren Zeit, also etwa zu Beginn des 16. Jahrhunderts erfolgte, ob durch die dort eingesetzten bischöflichen Beamten oder noch später, durch die Grafen von Eltz ist nicht sicher. Als relativ sicher kann jedoch angenommen werden, dass zumindest der südliche Teil der neuen Ringmauer nicht in einem Zuge hochgezogen wurde, sondern dass eine ziemliche Zeitspanne zwischen einem ersten und einem zweiten Bauabschnitt lag. Deutliche Unterschiede im Mauerwerk lassen sich in der äußeren Mauerfläche erkennen (Bild 4.34); auch der südwestliche Rundturm scheint nicht in einem Zuge errichtet worden zu sein, das Mauerwerk weist ebenfalls unterschiedliche Strukturen (Bild 4.33) auf. Die Tatsache, dass dieser Turm zum Burginneren hin offen ist, mit gerade gemauerten Mauerkanten (Bild 4.33 u. 4.34), sowie die gleichmäßig ansteigend angeordneten Fenster (Bild 4.35) legen die Vermutung nahe, dass es sich hierbei um einen – vielleicht nur vorgerichteten – Treppenturm für ein geplantes, anschließendes Pallasgebäude handelt. Diese Vermutung wird bestärkt durch die noch deutlich erkennbaren zwei Aborterker (Bild 4.6) an diesem Turm, die man wohl kaum in einen reinen Wachturm eingebaut hätte. Dass die südliche Ringmauer eventuell als künftige Außenmauer dieses Pallasgebäudes dienen sollte, lässt auch die enorme Höhe dieser Mauer erklären, die aus rein verteidigungstechnischen Gründen in diesem Bereich nicht erforderlich wäre.

 Rätsel geben auch die beiden Tore in der östlichen Ringmauer auf. Das nördliche Tor (Bild 4.11 u. Aufmaßskizze Krause), wie in Kapitel 3 bereits beschrieben, noch zu Zeiten schon wieder geschlossen, da die Burg noch bewohnt war und “verteidigt” werden sollte, liegt ca. 4,50 m über dem derzeitigen Hofniveau. Es muss also eine Eingangsebene gegeben haben, die sich, künstlich hergestellt, auf dem Schwellen-Niveau dieses Tores befand. Diese Ebene könnte die “Decke” über einem  Vorrats-, Magazin- oder Stallungsgebäude gewesen sein, das sich wahrscheinlich hier befunden hatte; ein Fülle von Auflager-Aussparungen für Dach oder Deckenbalken im Mauerwerk unterstützen diese Theorie. Hatte diese Decke der Belastung als Eingangsebene auf Dauer nicht standgehalten, so dass aus diesem Grunde das Tor zugemauert wurde? Welchen Zweck erfüllte dieses Tor überhaupt? Ein Hauptzugang kann es nicht gewesen sein, da es sich ja nur auf das relativ kleine, vom Nettetal aus nur unter großen Mühen zu erkletternde Felsplateau hin öffnete und ob sich auf diesem Plateau noch zur Burganlage gehörige Nebengebäude befunden haben, konnte bis jetzt noch nicht bewiesen werden. Ist vielleicht etwas dran an der “Sage”, dass hier unter eine alten Eiche “Gericht gehalten” wurde (s. Beitrag – Caesar unter der Gerichtseiche) ? Eine solche Gerichtsstätte auf dem Burgberg vor der Burg hätte natürlich ein repräsentatives Tor gefordert.

Das südliche Tor (Bild 4.10) weist zumindest heute keinerlei Gewände (mehr) auf, auch sind keine Brückenauflager erkennbar. Es stellt sich die Frage, ob diese Toröffnung überhaupt “historisch” ist, das heißt, ob sie zu einer Zeit hergestellt wurde, als die Burg noch als solche genutzt wurde, oder ob sie erst zu einer wesentlich späteren Zeit gebrochen wurde, als der außen vorgelagerte Halsgraben seine Bedeutung verloren hatte und zugeschüttet werden konnte.

 

6. Die Burg Wernerseck im 20. Jahrhundert

 Wie in Abschnitt 3 bereits erwähnt, war die Burg Wernerseck seit 1815 im Besitz der Familie Burret aus Saffig. Hugo Burret hatte das Hofgut Wernerseck am 25. Februar 1815 für 3.200 Franken (= 1.000 Reichstaler) von den Grafen von Eltz-Rübenach ersteigert. Nach den mir vorliegenden Quellen blieb sie in deren Besitz bis "zum Beginn des 20. Jahrhunderts". Wahrscheinlich durch Erbschaft gehörte sie zuletzt den in Lehmen wohnhaften Eheleuten Hans Jürgen Freiherr von Schleinitz und Freifrau Ilse.

Im Jahr 1955, genau am 30. August, erwarb der Ochtendunger Bims-Unternehmer Cyriak Weiler die Burgruine von obigem, ziemlich verschuldeten Besitzer, mit einer ganzen Reihe zugehöriger Ländereien. Die Burg selbst, nebst zugehörigem Grundstück (12,28 ar), "verkaufte" der "Bimskönig", wie ihn die Rhein-Zeitung in diesem Zusammenhang bezeichnete, am 18.07.1963 an seine Heimatgemeinde Ochtendung, zum symbolischen Kaufpreis von 1,- DM. Dies geschah selbstverständlich erst nach einer Reihe grundlegender und umfangreicher Gespräche mit den Gemeinden Plaidt und Ochtendung, über die die Rhein-Zeitung schon in ihrer Ausgabe vom 23.05.1962 berichtete, denn mit dem Erwerb der Burg ging nicht nur ein historisches Gebäude, sondern auch vor allem die Verantwortung und die Pflicht zur Sicherung und Instandhaltung  auf die Gemeinde Ochtendung über. 

Akute Einsturzgefahr an verschiedenen Teilen der Burgruine hatten zu einer baupolizeilichen Sperrung der Anlage geführt, so daß die Gemeinde sich veranlaßt sah, schnellstmöglich umfassende Sicherungsmaßnahmen in Angriff zu nehmen.

Noch im gleichen Jahr wurde mit vorbereitenden Arbeiten zur Durchführung der Erhaltungsmaßnahmen begonnen; so wurde ein entsprechend fachkundiges Architekturbüro mit der Untersuchung der Bausubstanz und der Erstellung eines Sanierungsplanes mit zugehörigem Finanzierungsplan beauftragt. Mit diesen Unterlagen konnten eine Reihe von zuständigen Behörden für die Sicherungsmaßnahmen interessiert werden, so daß 1964 mit der Umsetzung eines sogenannten Dreijahresplanes die Sanierung konkret in Angriff genommen werden konnte, nachdem die Amtsverwaltung Polch, der Kreis Mayen, das Landesamt für Denkmalpflege in Mainz und auch die Gemeinde Plaidt Beihilfen zu den auf 110.000 DM geschätzten Baukosten gewährt bzw. zugesagt hatten.

Im ersten Bauabschnitt wurde 1964 das auf den Mauerköpfen, Mauerkronen, Türmen sowie im Innenhof wuchernde Buschwerk und Gestrüpp entfernt, wobei insbesondere die Mauerfugen von Vegetation befreit wurden, um einem weiteren Fortschreiten der Zerstörung durch wachsendes Wurzelwerk vorzubeugen. Auch um die Burg herum wurde wildwucherndes Strauchwerk entfernt, jedoch ohne Kahlschlag entstehen zu lassen. Weiterhin wurden in der Kernburg etwa 3.000 cbm Schutt und Trümmer entfernt und damit das ursprüngliche Bodenniveau wiederhergestellt. Die Ablagerungen hatten zum Teil eine Höhe von bis zu 2 m. Ebenfalls in diesem ersten Bauabschnitt wurde die Ringmauer saniert, durch Verfestigung von losem und schadhaften Mauerwerk, teilweise Erhöhung der vorhandenen Mauerkronen und Abdeckung derselben durch eine Asphaltschicht, um das Eindringen von Niederschlagswasser zu verhindern und damit vor allem einem Auffrieren im Winter vorzubeugen.

1965/66 wurde dann im zweiten Bauabschnitt vor allem der Wohnturm gesichert. Der eingeschaltete Architekt Wolfgang Menzel schreibt selbst dazu:

  "Am gesamten Burgenkomplex wurden an schadhaften Bauteilen etwa 995 Qubikmeter Bruchsteinmauerwerk eingebracht.

Den Hauptteil davon verschlang der Wohnturm mit den gewaltigen Rissen vom obersten Mauerkranz des Wehrganges durch zwei Geschosse hindurchgehend, auf der Süd- und auf der Nordseite.

Durch die Herausnahme von schweren doppelten Eisenankern bei der Zerstörung des Wohnturmes, verlor derselbe an innerem Zusammenhalt und schob sich über dem auf Fels gebauten Kellergeschoß auseinander. Vor allem Frost trat hier noch vernichtend auf, so daß diese Risse zu ernsthaften Schäden für den Bestand des Bauwerkes wurden.

Die Risse konnten mit Bruchsteinmauerwerk verschlossen und in die Fensterstürze jeweils Eisenbetonbinder verdeckt eingebaut werden, um die Spannfunktion der ehemaligen Maueranker wiederaufzunehmen.

Die Wiederlager (richtig: Widerlager, Anm. d. Red.)der erwähnten Maueranker sind zum Teil noch vorhanden. Der Ausbau des Wiederlagers an der Nord-West-Ecke des Wohnturmes verführte zu der Annahme, hier sei ein zweiter Wohnturmeingang als direkte Verbindung zum Wehrgang auf der Nordmauer (vgl. Heimatheft Nr.4 - S.12).

Die zu dieser Annahme führende Öffnung war lediglich ein nach unten aufgebrochenes Fenster, um die Eisenanker samt Wiederlager einfacher ausbauen zu können.

Die Öffnung ist heute geschlossen und das Fenster in seinem Urzustand wiederhergestellt, wie sämtliche anderen Fensteröffnungen des Wohnturmes, die alle durch das Fehlen der früher vorhandenen Werksteingewände (Basaltlavastein) stark beschädigt waren.

Ausbrüche am Fenstermauerwerk wurden verschlossen, aus Gewänderesten konnten die Fenstergewände rekonstruiert und wieder erneuert werden.

Herausgebrochene Türgewändeteile konnten wiedereingesetzt oder erneuert werden.

Die nicht mehr begehbaren Treppen im Wohnturm und an der nördlichen Ringmauer wurden wiederhergestellt. Ebenso wurde der abgebrochene Boden des Wehrganges im Wohnturm wieder aufgemauert.

Der kleine zweigeschossíge Wohnbau im Wohnturmzwinger war durch einen großen Mauereinbruch und den teilweisen Einsturz des darunterliegenden Kellers besonders gefährdet.

Die Abbruchstelle des Kellergewölbes wurde mit einem vorgelegten Bruchsteingurt gesichert und die überhängende Einbruchstelle der Gebäudewand soweit beigemauert, daß die Wand ausreichend Unterstützung hat.

Ebenso wurde auch an dem Vor- und Kernburgtor überhängendes Mauerwerk unterfangen und Löcher im Mauerwerk geschlossen.

Sämtliche Mauerkronen wurden zur Festigung der oberen lockeren Mauerschichten mit Trasskalkmörtelmilch getränkt und mit einer schützenden Trasskalk-Mörtelschicht abgedeckt, die zusätzlich noch einen Isolieranstrich erhielt. Große Teile erdnaher Mauerkronen erhielten außerdem eine Rasensodenabdeckung.

Der Kapellenerker im Hauptwohnturm des zweiten Wohnturmgeschosses bedurfte der besonders sorgfältigen Sicherung.

Schwerwiegende Risse ließen den Abbruch des Erkers befürchten, der sich bereits bedenklich aus dem allgemeinen Mauerverband gelöst hatte.

Durch verzahnende Bruchsteinmauerung wurde versucht, dem Einhalt zu gebieten. Fehlende Gewölberippen wurden ersetzt und die Werksteineinfassungen des Kapellenfensters und der inneren seitlichen Konchen erneuert, ebenso wie die fehlenden Werksteine des den Erker zum Wohnraum hin abschließenden Spitzbogens.

Entgegen andersartigen Vorstellungen muß dieser Hauptwohnraum von ganz besonderer Wohnlichkeit gewesen sein mit seinem schweren Kamin und einer vom Fußboden bis zur Holzbalkendecke reichenden Holzverkleidung, deren horizontale Halterungen zum Teil noch eingemauert als Rudimente zu erkennen sind.

Im Verlauf der letzten Arbeiten an der Burg scheint sich auch das Problem der Wasserversorgung für die Wohnturmbewohner zu lösen.

In der Nordwand des Wohnturmes befindet sich eine enge Röhre,  … 20/20 cm, vom oberen Wehrgangboden bis in das untere Wohnturmgeschoß verlaufend, daß offensichtlich das Regenwasser des steilaufragenden Daches nach unten leitete und dort in einem Behälter gesammelt werden konnte. Als Beleg für diese Annahme kann der Austritt der Röhre im unteren Wohnturmgeschoß 120 cm über dem Fußboden gelten.

Der zum Teil verschüttete Brunnen der Burg befindet sich nicht weit von der Südostecke der äußeren Ringmauer in nicht umfriedeten Gelände.

An der Innenseite des nordöstlichen Eckturmes am Wohnturm-Wehrgang läßt sich außerdem die genaue Neigung des Gratsparrens der gesamten Dachkonstruktion mit etwa 80 Grad ablesen und damit die Neigung des Turmdaches rekonstruieren.

Im Zuge der Sicherungsarbeiten an der Burgruine ist ein empfindlicher Verlust zu verzeichnen, der jedoch nicht zu umgehen war.

Der Kamin-Treppengiebel an der Ostwand des Wohnturmes mußte unter Wahrung allergrößter Vorsicht für die Ausführenden Stück für Stück abgetragen werden. Es wies sich keine Möglichkeit zur Festigung desselben.

Der Giebel stand zu zwei Drittel auf einem ausgewitterten Tuffsteingesims und war so infolge nicht ausreichender Standfestigkeit empfindlichen Schwankungen unterworfen, die seinen Einsturz während der Bauarbeiten befürchten ließen.

Um die nunmehr gesicherte und wieder begehbare Burganlage mit Leben zu erfüllen konnten die Ochtendunger Gemeindeväter den Falkner Claus Freiherr von Böselager gewinnen, der im Frühjahr 1966 zusammen mit seinem Bruder Diethelm auf Wernerseck eine Falknerei einrichtete. Diese Falknerei fand bei der Bevölkerung im Umkreis ein reges Interesse, mußte jedoch, bedingt durch den plötzlichen Tod von Claus Freiherr von Böselager nach knapp drei Jahren im Frühjahr 1969 wieder geschlossen werden. In dieser kurzen Zeit war jedoch viel positive Arbeit geleistet worden, so unter anderem die Züchtung und Freilassung der ersten wieder eingebürgerten Uhus in der Eifel.

Die Burg war damit wieder verwaist, Unkraut begann wieder zu wuchern, Rowdys richteten durch mutwillige Zerstörungen große Schäden an und Unrat wurde auf dem Gelände abgelagert. Glücklicherweise fand sich aber schon im Jahre 1970 ein neuer Mieter für die Burg. Für Josef Zerwas aus Andernach ging ein Kindheitstraum in Erfüllung, er wurde "Burgherr" auf Wernerseck. Mit einigen Freunden machte er sich daran, den angefallenen Schutt wegzuräumen und die neu entstandenen Schäden wieder zu reparieren. Im Bergfried richtete er sich einen Raum wohnlich her und verbrachte nunmehr jede freie Minute als "Burgherr" auf Wernerseck. Einem weiteren Hobby konnte er sich hier ebenfalls widmen, der Astronomie: Mit einem großen Teleskop, das er auf den Zinnen des Turmes aufgestellt hatte, beobachtete er den nächtlichen Sternenhimmel.

Studenten der Bonner Universität verbrachten manches Wochenende als Gäste von Josef Zerwas auf Wernerseck, ja sogar offizielle Seminare der Uni wurden hier abgehalten.

1975/76 geriet die Burg Wernerseck und das unmittelbar angrenzende Nettetal noch einmal in die Schlagzeilen: Ein Ochtendunger Unternehmer wollte hier ein "Campingplatz-Ferienparadies Burg Wernerseck" entstehen lassen. In diesem Freizeitzentrum sollte "der hiesigen Bevölkerung sowie den Menschen aus den Ballungsgebieten und nahegelegenen Großstädten sowie natürlich dem Fremdenverkehr eine bunte Palette an Sport und Freizeitbeschäftigung" angeboten werden. Während der Ochtendunger Gemeinderat und die Verbandsgemeindeverwaltung Maifeld diesem Unterfangen positiv gegenüberstanden, wehrte sich der Plaidter Rat energisch gegen seine Realisierung und hatte letztendlich auch Erfolg. Kreisbauamt, Kreisrechtsausschuß und in letzter Instanz das Verwaltungsgericht Koblenz gaben der Bauvoranfrage nicht statt, da eine solche Freizeit-einrichtung eindeutig den Zielen und Festlegungen eines Landschaftsschutzgebietetes widerspricht, das in Frage kommende Gebiet aber mit Verordnung vom 20. August 1974 durch die Kreisverwaltung als Untere Landespflegebehörde zum Landschaftsschutzgebiet erklärt worden war. Die Rhein-Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 27. August 1976 über dieses Thema unter der Schlagzeile "Wird ein neuer Sturm über die Landschaft am Fuße der Burgruine Wernerseck fegen?" und entfachte damit zunächst einmal einen Sturm der Entrüstung auf beiden Seiten, der sich in einer Flut von Leserbriefen in der Rhein-Zeitung äußerte, wobei Befürworter (meist Ochtendunger) und Gegner (meist Plaidter) eine ganze Menge schmutziger Wäsche wuschen. Der Sturmlegte sich dann aber doch recht schnell, als klar wurde, daß das geplante Ferienparadies keinerlei Aussicht auf Genehmigung hatte. Auch die "schmutzige Wäsche" wurde wieder eingepackt und beide Ortsgemeinden kümmern sich um Sauberkeit und Erhaltung der Burg, vor allem nachdem der Freizeit-Burgherr Josef Zerwas sein Hobby aufgeben mußte. Wegen der Unvernunft vieler Besucher, die oft in angetrunkenem Zustand hier Kletterübungen veranstalteten oder aus reiner Willkür ihrer Zerstörungswut freien Lauf ließen, mußte die Leiter, die zum Eingang des Bergfriedes führte, wieder abgebaut werden, so daß die Burgräume zur Zeit für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

 Im Jahr 1994 erfolgte eine weitere größere Instandsetzungsaktion, da der Zahn der Zeit doch wieder kräftig an dem alten Gemäuer genagt hatte. Insbesondere im oberen Bereich des Bergfrieds mußte Mauerwerk ergänzt und die Abdeckung erneuert werden. Auch die bei der ersten Renovierung 1956/66 eingebaute Flachdachabdeckung über dem obersten Geschoß des Bergfrieds war undicht geworden und mußte repariert werden. Die Kosten für diese Maßnahmen beliefen sich auf rund 20.000 DM und wurden zum größten Teil von Ochtendung und Plaidt gemeinsam aufgebracht, und mit einem relativ kleinen Betrag von Landesamt für Denkmalpflege bezuschusst.

 In diesem oder im nächsten Jahr werden wiederum größere Beträge zur Sicherung und Erhaltung der noch vorhandenen Substanz investiert werden müssen. Sowohl der Zahn der Zeit und die Witterung nagen an den alten Mauern als auch mutwillige Zerstörung durch offensichtlich hirnlose Besucher, die mit teilweise brutaler Gewalt Steine aus dem Mauerwerk brechen oder Mauerabdeckungen wegschlagen. Ist dann erst einmal ein neuer Angriffspunkt entstanden, dann tun Witterung, Frost und Tauwetter das ihrige und setzen die von Menschenhand begonnene Zerstörung fort.

 Wieder andere Besucher verwechseln das Burggelände offensichtlich mit einer Mülldeponie oder einem großen Abfalleimer. Flaschen, Dosen und sonstige Verpackungen und Abfälle werden achtlos weggeworfen und vermitteln nicht nur einen unschönenen Eindruck, sondern stellen auch Gefahr für andere Besucher, insbesondere für Kinder dar. Ein Appell sei deshalb an alle Besucher der Burg gerichtet, die alten Gemäuer respektvoll und schonend zu behandeln und auch die Unterhaltungsarbeiten der beiden Anliegergemeinden dadurch zu honorieren, indem jeder für sich auf Sauberkeit und Ordnung achtet und keine Abfälle hinterläßt. Vielleicht ist ja der eine oder andere auch bereit, Abfälle, die trotz allem von irgendwelchen nichteinsichtigen Besuchern zurückgelassen wurden, mitzunehmen und ordnungsgemäß zu entsorgen. Nachfolgende Besucher werden es Ihnen danken.

 Literatur- und Quellenangabe

 

(1)

S. Fabricius, Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz

(2)

Günther, Cod.Diplom. Rheno-Mosell. IV S.97f.

(3)

Abschr. 15. Jh. im Virneburger Kopialbuch Staatsarchiv Koblenz, Abt. 34 Nr. 801 Bl.37 u. Nr. 802 Bl. 93

(4)

Abschriftensammlung des Briefwechsels im Staatsarchiv Düsseldorf, Kurköln XI n Nr.1 Vol. 1

(5)

Hontheim, Histor. Trevir. Diplom. II S. 350 f.

(6)

M. Sponheimer, Burg und Amt Wernerseck, Rh.Vjbl. 7/1937

(7)

Abschrift im Temporale des Erzbischofs Werner v. Falckenstein, Staatsarchiv Koblenz , Abt. 1 C 9 Nr. 552

(8)

Staatsarchiv Koblenz ; Abt. 1A Wernerseck

(9)

P. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler des Reg.-Bez. Koblenz, 1886

(10)

Familienarchiv der Freiherrn von Eltz-Rübenach auf Schloß Wahn

(11)

Paul Clemen, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 1941

(12)

Archiv des Landesamtes für Denkmalpflege, Mainz

(13)

Ewald Weinand, Rhein-Zeitung Nr. 98/1991

(14)

Werner Sieper, Die Eifel, 56. Jahrg. Nr. 3, März 1961

(15)

Hans Morbach, Plaidt in der Pellenz (Ortschronik), 1983

(16)

Werner  Bornheim gen. Schilling, Rheinische Höhenburgen, Rhein. Verein für Denkmalpflege 1964

(17)

Wolfgang Menzel, Sicherungsarbeiten an der Burgruine Wernerseck in den Jahren 1963 – 1966, Bericht für den Gemeinderat

Nikolaus von Cues auf der Burg Wernerseck

 

Werner von Falckenstein, der Erbauer der Burg Wernerseck, war zwar Erzbischof und Kurfürst von Trier (1388 – 1418), er residierte jedoch fast während seiner gesamten Amtszeit nicht in Trier, sondern hatte sich Schloss Stolzenfels bei Koblenz zu seiner Residenz erwählt. Auch sein Nachfolger, Otto von Ziegenhain (1418 - 30) wohnte überwiegend in Koblenz und die nachfolgenden Erzbischöfe behielten in Koblenz zumindest immer eine Nebenresidenz.

 

Im gleichen Jahr, als Werner von Falckenstein mit dem Bau von Wernerseck begann, nämlich 1401, wurde in dem Moselort Cues (heute Stadtteil von Bernkastel-Kues) Nicolaus Chryffs geboren, der uns heute noch unter dem Namen Nikolaus von Cues oder Cusanus als Naturwissenschaftler, Philosoph und Kirchenpolitiker bekannt ist. Nach einem dreisemestrigen Studium der Theologie in Heidelberg (1416 - 18), dem Studium der Juristerei im italienischen Padua (1418 - 24) mit dem Abschluß als Doktor beider Rechte und anschließender kurzer Rechtsanwaltstätigkeit in Mainz, wandte er sich ganz der Theologie zu, wurde um 1426 zum Priester geweiht und 1427 zum Dekan des Kollegiatsstiftes St. Florin in Koblenz ernannt. 1435 wurde er dazu noch Probst von Münstermaifeld. Dieses Amt hatte er wahrscheinlich bis zum Jahr 1445 inne. Papst Eugen IV. (1431 - 47) übertrug ihm schon während dieser Zeit die ersten Kurienämter. Später wurde er päpstlicher Nuntius und am 20. Dezember 1448 durch Papst Nikolaus V (1447 - 58 ) zum Kardinal ernannt. Am 14. August 1464 starb Cusanus als Gesandter Papst Pius´II. (1458 - 64) auf dem Wege nach Livorno im umbrischen Todi. Bestattet wurde er in Rom, in der Kirche San Pietro in Vincoli (St. Peter in Ketten), seiner Titularkirche als Kardinal, während sein Herz nach Cues gebracht wurde, wo es heute noch in einer Bleikapsel vor dem Altar der Hospitalkirche ruht. 

 

Über die Person des Nikolaus von Cues gäbe es natürlich erheblich mehr zu berichten, als ich dies im vorstehenden Abschnitt getan habe, ich möchte jedoch an dieser Stelle darauf verzichten und Interessierte auf die umfangreiche Literatur zu diesem Thema in der Koblenzer Stadtbibliothek und der Rheinischen Landesbibliothek verweisen, da ich mich  hier auf  die Verbindung zwischen Cusanus und der Burg Wernerseck beschränken möchte.

 

Als Dekan von St. Florin und als Propst von Münstermaifeld hatte er selbstverständlich Kontakt und Verbindungen zu den jeweiligen, in Koblenz residierenden Erzbischöfen und war wohl auch mit dem damaligen Burgamtmann Ritter Syfried Walpod zu Bassenheim befreundet. So kam es nicht von ungefähr, daß ihm die doch ziemlich abgelegene Burg Wernerseck von diesen zur Verfügung gestellt wurde, wenn er sich für seine philosophischen und naturwissenschaftlichen Studien in die Einsamkeit zurückziehen wollte. So schreibt zumindest Dr. Otto v. Fisenne 1959 in einem Artikel des Eifeljahrbuches (1). Dieser Darstellung widerspricht allerdings Hans Gappenach, Studienrat am Münstermaifelder Gymnasium, sehr heftig in seinem Heft "Nikolaus von Kues in Münstermaifeld(2). Er schreibt dort:

 

 

Nikolaus von Cues nach einem Relief an 

seinem Grab in San Pietro in Vincoli

 

"Es gibt allerdings in der Populär- oder der populärwissenschaftlichen Literatur Arbeiten, die weit schlimmer mit den geschichtlichen Tatsachen umgehen; zum Beispiel behauptet O. v. Fisenne felsenfest, daß die Erarbeitung der Grundlagen und die Vorarbeiten zu dem eben genauer behandelten Werk "De docta ignorantia" auf der Burg Wernerseck (im Nettetal zwischen Maifeld und Pellenz) erfolgt sei. Möglicherweise wird diese Burg irgendwo in der Literatur einmal erwähnt (mir ist die Stelle nicht bekannt geworden), doch mag dies hier einziges Beispiel bleiben für zahlreiche ähnliche Versuche, die dem Wunsch entspringen, irgendwelche biographischen Momente mit diesem oder jenem Punkt eigener Heimatgeschichte in Verbindung zu bringen."

 

In diesen wissenschaftlichen Streit will und kann ich mich nicht einmischen, jedoch scheint mit die Darstellung Dr. O. v. Fisennes durchaus nicht als unlogisch, wenngleich er keine Quellen angibt, auf die er seine Behauptungen stützt. Er schreibt in seinem Artikel:

 

"Während dieser Jahre (als Dekan in Koblenz und Probst in Münstermaifeld, Anm. d. Red.) suchte Cusanus, der mit dem damaligen vom Trierer Erzbischof auf Burg Wernerseck eingesetzten Verwalter gut befreundet war, häufig diese Burg auf, wo er in der Abgeschiedenheit der Eifelbergwelt Ruhe und Muße fand, seinen philosophischen und naturwissenschaftlichen Studien nachzugehen und vom trutzigen Bergfried aus den Sternenhimmel zu beobachten. Hier schuf er die Grundlagen und Vorarbeiten für sein späteres bedeutsames Werk "De docta ignorantia" (erschienen um 1445): zu deutsch heißt der Titel "Vom bewußten Nichtwissen" oder freier übersetzt "Von der Erkenntnis des Unerkennbaren". Auf Burg Wernerseck entwarf Cusanus die erste Landkarte von Mitteleuropa (gestochen 1491 in Eichstädt) und äußerte auf Grund astronomischer Beobachtungen und umfangreicher Berechnungen als erster die Vermutung der Achsendrehung der Erde. Einige der von ihm konstruierten astronomischen Geräte wurden später als seltene Ausstellungsstücke in seiner Bibliothek in Cues a.d. Mosel untergebracht."

 

Sollte die Darstellung Fisennes den Tatsachen entsprechen, dann könnte man die Burg Wernerseck als Wiege des heutigen, modernen Weltbildes bezeichnen, denn mit den Lehren Cusanus` wurde das mittelalterliche Weltbild überwunden und sowohl Nikolaus Kopernikus (1473 - 1543) als auch Isaac Newton (1643 - 1727) bauten auf seinen Erkenntnissen und Lehren auf.     

  Literatur- und Quellenangabe

 

(1)

Dr. Otto v. Fisenne: Die Persönlichkeit des Nikolaus von    

    Kues und seine Beziehungen zur Eifel, in: Eifeljahrbuch,    

    Bonn 1959, S. 135 ff.

(2)

Hans Gappenach: Nikolaus von Kues in Münstermaifeld,       

    Heft 11/1964, der Schriftenreihe der Katholischen  

 

 

 

 

Sagen und Legenden um die Burg Wernerseck

 

                                                            zusammengestellt von Annette Lehnigk-Emden

                     

Das Rätselhafte, das uns unerklärlich Scheinende, regt die Phantasie an und findet seinen Ausdruck in Geschichten, Sagen und Legenden:

Dies sind mündlich überlieferte Erzählungen einer für wahr gehaltenen oder auf einem wahren Kern beruhenden Begebenheit, die im Laufe der Zeit phantastisch ausgeschmückt und ständig umgestaltet wurden.

Auch für Ochtendung, und hier insbesondere für die Burg Wernerseck, existieren solche mündlich überlieferten Geschichten und Sagen, die der damalige Rektor Wilhelmi in den dreißiger Jahren zusammenstellte und schriftlich niederlegte.

Eine verlassene Burg bzw. Ruine, über deren tatsächliche Geschichte fast keine Fakten bekannt waren, führte zwangsläufig dazu, daß der Volksmund diese Wissenslücken mit ebensolchen Geschichten und Sagen ausfüllte und damit die Existenz der Burg und deren Name erklärte und die Bedeutung derselben hervorhob.

 

Der Tempelherr Werner

 

Kaiser Joseph machte eine Wallfahrt ins Heilige Land. Dabei geriet er in die Hände der Türken, die ihn gefangen nahmen und nach Konstantinopel vor den Sultan brachten. Der Kaiser versuchte unerkannt zu bleiben. Der Sultan erklärte ihm jedoch, seine Identität sei bekannt, er habe schon lange gewußt, daß er, Kaiser Joseph durch die Türkei reisen werde - die Tempelherrn hätten ihn verraten.

Da schwor sich Kaiser Joseph, die Verräter zu strafen und binnen dreier Tage nach seiner Rückkehr zu vernichten. Dies machte er auch wahr: Nur drei Tage nach seiner glücklichen Rückkehr waren alle Tempelherrn gefangen und verbrannt.

Nur dem Tempelherrn Werner gelang es, sich auf Wernerseck zu verstecken. Allen Nachforschungen wußte er sich geschickt dadurch zu entziehen, indem er seine Verfolger narrte:

Sie hatten die Burg umstellt, mußten sich jedoch damit begnügen, die Zugangspfade zu überwachen, da es ihnen wegen der steilen und schroffen Felshänge nicht möglich war, bis an die Mauern heranzukommen. Sie machten es sich leicht und überprüften lediglich die Spuren, um festzustellen, ob Werner außerhalb oder innerhalb der Burg weilte. Der trutzige Ritter erkannte dies recht bald und baute darauf seinen Plan. Er ließ nämlich seinem Pferd die Hufeisen verkehrt herum aufschlagen. Wenn seine Verfolger ihn außerhalb der Burg suchten, saß er vergnügt in ihren Mauern; wenn sie aber glaubten, die Maus in der Falle zu haben, vergnügte er sich auf der Jagd.

Als man endlich seine List entdeckte, gelang es, mit verstärktem Aufgebot Werner in der Burg einzuschließen und diese zu stürmen. Doch von Werner keine Spur! - Die Burg hatte einen Geheimgang, der am Osthang zwischen den Felsen mündete. Durch diesen war Werner entwischt. Damit niemand seiner Verfolger den Ausgang finden konnte, scharrte Werner die Felsspalte mit Erde zu. Dabei muß eine Eichel mit der Erde in die Spalte geraten sein: Heute füllt dichtes Wurzelwerk einer Eiche diese Erdspalte aus.

Später soll sich der Teufel den Tempelherrn Werner geholt haben, da er diesem für den Fall einer glücklichen Flucht seine Seele verpfändet hätte.

 

 

Eine andere Sage beschäftigt sich mit den verwunschenen Schätzen des angeblichen Raubritters Werner:

 

Verwunschene Schätze in Wernerseck

 

Der Raubritter Werner stand mit dem Teufel im Bunde, dem er seine seine rabenschwarze Seele verschrieben hatte und dafür in Gegenzug unermessliche Schätze von diesem erhalten hatte. Diese und auch die Schätze seiner reichen Raub- und Beutezüge hatte Werner in den tiefen unterirdischen Kellern seiner Burg Wernerseck gelagert, wo er sie auch gut bewachte. Doch leider konnte er ihrer nicht froh werden: Einmal waren es die Truppen des Kaisers, die ihn jagten oder die Burg belagerten, zum anderen hatte er sich im Laufe der Zeit viele Feinde gemacht, die ihm nach dem Leben trachteten, und nicht zuletzt war es der Teufel, der regelmäßig erschien, um nachzuhören, ob er die Seele Werners noch nicht mitnehmen könne.

Als seinen Häschern nach langer Belagerung – der schlaue Raubritter hatte auch diese lange Zeit mit Hilfe seiner verkehrt herum aufgeschlagenen Hufeisen an der Nase herum geführt - endlich gelang die Burg zu stürmen, fanden sie das Nest leer, Werner war wiederum entkommen. Werner war in seinen tiefen Schatzkeller geflüchtet, dessen Zugang nicht gefunden werden konnte. In finsterer Nacht, zur Zeit der Geisterstunde, verließ Werner den Keller über den geheimen Gang, der mehrere hundert Meter durch den Felsenberg führte und in einer tiefen Felsenspalte, hoch über dem rauschenden Nettebach endete (der Volksmund behauptet soger, bis mitten nach Ochtendung hinein, wo er im Keller von “Menze-Haus” nicht weit vom Obertor mündete) . Bevor er in der tiefen Dunkelheit hinunter ins Nettetal kletterte, verschüttete er den Eingang zum Geheimgang, verfluchte alle Gold, das im Burgkeller lagerte und verschwand auf immer – keines Menschen Seele hat ihn je wiedergesehen: Der Teufel – ihn hatte Werner nicht täuschen können – hatte ihn geholt!  Tief in der Erde unter der Burg liegt nun das Gold, auf ewige Zeiten begraben im Namen des Teufels. Nur ganz wenige kennen die Stelle, von wo man in den Geheimgang einsteigen und zum Schatz gelangen kann, sie wissen jedoch ihr Geheimnis wohl zu hüten.

Angeblich aber soll es in der Neujahrsnacht, zwischen 24 und 1 Uhr, leicht möglich sein, den Schatz zu heben, was auch wiederholt versucht wurde.

Einem unerschrockenen Mann gelang es sogar, in dieser bewußten Stunde den Eingang zum Schatzkeller freizulegen. Als er sich bückte, um einen Blick in den Keller zu werfen, rollte von oben etwas Erde nach und fiel ihm auf den Kopf. Erschrocken fuhr er hoch, einen lauten Fluch auf den Lippen. Im gleichen Augenblick stürzte die Grube zu und nur mit knapper Not konnte der Schatzgräber sich retten. Hätte er nicht gesprochen, dann hätte er die Schätze Werners bergen können und wäre reich gewesen, wie kein anderer im Lande.

Als er am nächsten Tag erneut nachschaute, konnte er die Stelle nicht mehr finden.

 

 

Die Neujahrsnacht und Gold sind auch Gegenstand einer weiteren Sage:

 

Schiefer wird zu Gold

 

Auf dem vorderen Burgfelsen befindet sich eine kleine Vertiefung, ein kleiner Steinbruch. Von dieser erzählt die Mär:

In der Geisterstunde der Neujahrsnacht würden die Steine, wenn sie ein Mann stillschweigend und ohne abzusetzen mit einer Handschubkarre nach Plaidt bringe, zu Gold.

Einem Plaidter soll dies auch beinahe gelungen sein. Er fuhr mit seiner Schubkarre zur Burg hinauf, grub Schiefersteine aus, die im Mondlicht wie pures Gold glänzten und lud, obwohl es ihn gruselte, seine Karre so voll, daß er sie kaum heben konnte und fuhr los. Kurz vor dem Heiligenhäuschen gegenüber der Hagsmühle steigt der Weg etwas an und der Mann gab seine letzte Kraft her. Wie er nun glücklich die Steigung überwunden hatte und bis ans Heiligenhäuschen gekommen war, seufzte er unwillkürlich und sagte im Vorgefühl seines Reichtums: "Verdammt noch emoldatt ess jeroed noch emol goot jange – esch hätt doch nett jeroed esu vill loede sölle!" – Als er zu Plaidter Pütz kam, sah er die Bescherung: Von Gold keine Spur – er hatte “Scherpe” in seiner Schubkarre und es blieben “Scherpe” (Schiefersteine) bis zum heutigen Tag. Durch seinen Ausruf hatte er den Zauber gebrochen.

 

 

Mit den in der Nähe der "Keltersburg", zwischen dem Burgberg und dem Weg nach Fressen liegenden Weinbergen beschäftigt sich eine weitere Sage:

 

Der Teufel behütet die Weinberge an Wernerseck

 

An einem Abend kurz vor der Weinlese hatte der Kellermeister des Kelterhofes bei Wernerseck zwei Knechte zur Wacht über die abseits gelegenen Weinberge auf dem Wingertsberg bei Fressen bestellt. Es war einen finstere Nacht, und einem der Wächter gefiel es gar nicht, zu tun, wie es seine Pflicht gewesen wäre. Voll Mißmut rief er aus: "Esch wollt´ de Deuwel käm onn dät off denn Wingert offpasse!" Kaum war das Wort aus seinem Munde, da stand der Gerufene auch schon vor Ihm. "Ich soll den Wingert bewachen? Was gibst Du mir zum Lohn? - Ich will “Einen Korb voll Trauben”, erwiderte der erschrockene Knecht. “Und die Seele desjenigen Menschen dazu, der bis zum Tagesanbruch den Wingert betritt, gleich, wer es ist", forderte der Teufel. Der pflichtvergessene Knecht schlug ein, überließ die Wache dem höllischen Wärter und trollte sich nach Hause.

Er gedachte eine ruhige Nacht in seinem warmen Bett zu verbringen, doch trat zu später Stunde der Kellermeister zu ihm ein, der im Vorübergehen ein lautes Schnarchen aus dem Knechtzimmer registriert hatte: "Borömm bess dau net emm Wingert?" - "Meine Jesell hält jo Wach!" erwiderte jener. Der Kellermeister glaubte, der andere Knecht sei damit gemeint, geriet in Zorn und rief: "Mäss dau desch wohl sofort enn denn Wingert – aane Wäschte reischt nett!” Da er sein Abkommen mit dem Teufel nicht verraten konnte, mußte der Knecht wohl oder übel hinaus und mit dem zweiten Knecht zusammen Wache schieben.

Um Mitternacht hörten sie ein Geräusch, als gingen Menschen zwischen den Rebstöcken hin und her. Da meinte der Knecht, der vom Abkommen mit dem Teufel nichts wußte: "Do ess ähme emm Wingert!" und wollte mauch schon los und nachsehen, doch der erste Knecht zurück. "Bleiw dau ruhisch hei", erwiderte der andere, "esch jinn eronne onn gucken no." Er umschritt den Weinberg und stellte fest, daß die Umzäunung nirgendwo durchbrochen war; da wußte er, daß es der Teufel gewesen sein mußte, wohl um ihn oder seinen Kollegen in den Weinberg zu locken. Eingedenk seiner Abmachung mit dem Teufel hütete sich der Knecht wohl, auch nur einen Schritt in den Weinberg zu tun.

Am nächsten Morgen, nachdem der Tag angebrochen war, schüttete er einen Korb mit Trauben an eine wenig begangene Stelle. Als er nach einer Weile wieder an diese Stelle kam, war auch nicht eine Beere mehr da! 

 

 

Mit der Zeit “vor Werner” beschäftigt sich die folgende Sage.

 

Cäsar unter der Gerichtseiche

 

Oben auf dem Burgberg stand bis1920 eine uralte Eiche, unter der der Sage nach der römische Feldherr Gajus Julius Caesar schon in vorchristlicher Zeit mit seinen Unterfeldherrn einen Kriegsrat gehalten haben soll. Caesar war damals auf seinem Zug nach Germanien, er zog von Trier die Mosel herunter, bog bei Kobern nach Norden ab und nahm gerade Richtung auf Andernach, wo er auch etwas rheinaufwärts über den Rhein ging. Seine Legionen sollen damals im sogenannten “campus amplus” (= im “weiten Feld” / heute: Weidenfeld) gelagert haben, während er mit seinen Centurionen noch ein Stück weiterritt und bis zu Eiche auf dem Burgberg gelangte, wo dann der letzte Kriegsrat vor dem Aufbruch zum Rhein gehalten wurde.

Im Mittelalter, zur Zeit der Raubritter, als die Burg erbaut wurde, und auch späterhin noch soll unter dieser Eiche Gericht gehalten worden sein.

Heute steht die Eiche leider nicht mehr. Sie war ein Wahrzeichen für die ganze Gegend. Aber eine ruchlose Diebeshand hat sie in der “gesetzlosen” Zeit nach dem 1. Weltkrieg gefällt und in schnöder Habsucht seinen  Ofen damit gefeuert.

 

 

 

Werner von Falckenstein                               zusammengestellt von Günther Gries

 

Kuno II. von Falckenstein, Trierer Erzbischof und Kurfürst von 1362 bis 1388, bestimmte noch zu Lebzeiten den “Sohn seiner Bruderstochter”, also seinen Großneffen, Werner von Falckenstein zu seinem Nachfolger. Über Geburt und Kindheit ist, wenn man der Biografie Edgar Ruthes (1) glauben darf, nichts näheres bekannt. Er hat lediglich eine Quelle (2) gefunden, die sich auf Werners Jugendzeit bezieht. Hiernach war Werners Vater, Philipp VI. von Falckenstein, im Verlauf einer Fehde mit den Herrn von Reiffenberg mit seiner ganzen Familie in Gefangenschaft geraten. “Derselben kinde wars eines ein bischof ze Triere, als man das findet hernach beschrieben, der was genannt Wernher.” Dies Ereignis war im Oktober 1374 – kurz darauf starb Werners Vater Philipp und sein Großonkel Kuno löste die Witwe mit ihren Kindern gegen ein ziemlich hohes Lösegeld aus der Gefangenschaft. Wie alt Werner zu diesem Zeitpunkt war, ist nicht sicher, Ruthe (20) schätzt, er sei im “späteren Knabenalter” gewesen und schließt daraus, dass er bei seiner Wahl auf den Trierer Bischofsstuhl ca. 30 – 35 Jahre als gewesen sein müsse.

Infolge der oben erwähnten Fehde verarmte die Familie Werners, so dass dieser sich entschloss in den geistlichen Stand einzutreten. Nachdem er zuerst als Archidiakon am Dom zu Trier gewirkt hatte, vielleicht auf die Protektion seines Großonkels hoffend, wurde er am 16. Juli 1384 Probst des St. Florinsstiftes zu Koblenz, wenig später Probst des Kollegiatstiftes St. Paulin zu Trier.

Um noch bei Lebzeiten seinem Nachfolger den Rücken stärken zu können und seine gewichtige Persönlichkeit zu dessen Gunsten wirken zu lassen, so wie sein Vorgänger, Boemund von Saarbrücken es mit ihm gemacht hatte, entschloss sich Kuno, nach Beratschlagung mit engen Freunden, im Herbst 1387 zu resignieren und schickte den Offizial Johann von Linz kurzerhand nach Rom zu Papst Urban VI, um über die nötigen Schritte zu verhandeln. Urban kam dem Abdankungsgesuch am 6. Januar 1388 nach und  befahl nach kurzer Verhandlung durch entsprechende Mittelsmänner die Konfirmation und Konsekration Werners als dessen Nachfolger. Am 3. April 1388 fand die Provision Werners mit dem Erzstift Trier statt. Offenbar waren bis dahin die Aktivitäten Kunos hinter dem Rücken des Trierer Domkapitels erfolgt, denn erst jetzt erhob das Trierer Domkapitel Einspruch, da Werner nicht rechtmäßig vom Domkapitel gewählt worden sei. Nach langen Verhandlungen, bei denen Kuno sicherlich nicht mit Goldstücken gekargt hat, Gaben die Domherrn nach, quod pro utilitate ecclesiae et totius patriae fuerat (was zum Nutzen der Kirche und des ganzen Vaterlandes geschah), und versprachen Werner als electum et confirmatum anzuerkennen. Ähnliche Verhandlungen muss Kuno auch mit Koblenz geführt haben, die erst nach mehrtägigem “Feilschen” und dank des starken Einflusses Kunos  seinen Nachfolger Werner anerkannten, der dann am 10. April 1388 feierlich in die Stadt einzog. Als sein Großonkel am 21. Mai 1388 starb, war Werner noch nicht im Besitz der höheren Weihen als Priester und Bischof (zur damaligen Zeit jedoch nicht ungewöhnlich. Anm.d. Red.), dies wurde erst im Spätjahr 1388 nachgeholt, am 9. September urkundete er noch als electus , am 25. Januar 1389 als “Erzbischof von Gottes Gnaden”. 

 

Die Wahl Werners zum Kurfürsten von Trier fiel in eine politisch äußerst unruhige Zeit, tobte doch seit einigen Jahren der sogenannte Städtekrieg, der sich wie ein Feuer ausgebreitet und den schwäbischen und den rheinischen Städtebund in große Nöte gestürzt hatte. Der regierende König Wenzel war nicht Herr der Lage und auch die Kurfürsten taktierten in ihrer Parteinahme gegenüber König oder den Städten und waren auch untereinander uneins. Eine ganze Reihe von sogenannten, von König Wenzel einberufenen  “Friedenstagen” verlief ergebnislos, mangels Teilnahme der betroffenen Kurfürsten. Auch das beim Landfriedenstag in Eger am 21. April 1389 erlassene Landfriedensgesetz, in dem die Städtebünde aufgelöst wurden, brachte noch keinen Frieden, da wohl keine der verfeindeten Parteien ernsthaft dahinter stand.

 

 

Werner von Falckenstein

(Zeichnung im Büro des Ortsbürger-meisters, Quelle unbekann)t

 

Erst nach einer entscheidenden Niederlage der Städte bei Frankfurt kam es Ende Mai 1389 zum Rheinischen Landfrieden, dem unter anderem der Mainzer Erzbischof und Kurfürst Adolf, Kurfürst Ruprecht von der Pfalz  und die meisten Städte des früheren Bundes beitraten. Auch die untereinander zerstrittenen Kurfürsten von Trier und Köln, Werner und Friedrich, waren bereit dem Landfrieden beizutreten, wobei die offizielle Beitrittserklärung Triers erst am 23. August erfolgte.

 

Gegen die in der Zeit der Unruhen gewachsene Bedrohung von außen, insbesondere aus Frankreich, schlossen die rheinischen Kurfürsten Werner von Trier, Friedrich von Köln und Ruprecht II. von der Pfalz am 3. Mai des Jahres 1390 in Boppard ein Bündnis gegen alle Gesellschaften der ”Walen und aus dem Welschenland”, gewissermaßen ein gegenseitiges Beistands- und Hilfeabkommen, da von seiten der Krone keine Unterstützung zu erwarten war

. Offenbar machte Werner von diesem Pakt jedoch keinen Gebrauch und hielt sich zurück, als im Herbst 1392 im benachbarten Luxemburg Graf Waleram von St. Pol mit ausdrücklicher Genehmigung des französischen Königs einfiel. Offensichtlich waren seine Kräfte durch eine Reihe von Fehden und Streitigkeiten innerhalb seines Erzbistums gebunden, wie etwa mit dem Grafen Johann von Solms oder den Herren Johann und Eberhard von Arenberg. 

 

Als jedoch der sogenannte Herrenbund, eine Oppositionsbewegung in Böhmen unter Führung seines Neffen Jobst von Mähren, den König Wenzel gefangen setzt, rief Ruprecht, der sich als Reichsverweser betrachtete, zu einem Reichstag am 13. Juli 1394 nach Frankfurt um zur geschlossenen Front gegen Jobst aufzurufen. Trotz der internen Unruhen nahm Werner von Falckenstein persönlich an diesem Reichstag teil, wie auch die übrigen Kurfürsten selten gezeigte Geschlossenheit präsentierten und die Empörer damit so einschüchterten, dass sie Wenzel freiließen. Trotz dieses Einschreitens der deutschen Kurfürsten zeigte Wenzel in der Folge kein großes Interesse am Geschehen im Reich in griff in einer ganzen Reihe von internen und externen Streitfällen nicht ein. Erzbischof Friedrich von Köln berief am 17. Februar 1397 die deutschen Fürsten zu einem Treffen am 13. Mai nach Frankfurt ein um in Sachen der Kirche und des heiligen römischen Reiches zu beraten. In seltener Einmütigkeit trafen sich die Fürsten dort und ignorierten den von Wenzel auf den 29. April nach Nürnberg einberufenen Reichstag vollkommen. Die Forderungen von Frankfurt bewegten Wenzel nunmehr doch, endlich ins Reich zukommen, wo er am 6. Januar 1398 nach langen Verhandlungen mit den deutschen Fürsten eine neue Landfriedensordnung erließ, die jedoch die Kluft zwischen ihm und den Kurfürsten nicht dauerhaft überbrücken konnte. Wenzel blieb bis zum Sommer des Jahre 1398 im Reich und kehrte im August nach Böhmen zurück.

Am 30. März 1399 beantragte das Trierer Domkapitel bei Papst Bonifaz die Einwilligung in die Resignation Werners und die Bestellung Utrechter Bischofs Friedrich zum Koadjutor, mit der Begründung, dass Werner aufgrund einer Erkrankung nicht in der Lage sei, die geistliche und weltliche Macht im Erzstift Trier auszuüben. Mit der Amtsenthebung hatte das Domkapitel zwar keinen Erfolg, aber Friedrich von Utrecht wurde ihm als Koadjutor zur Seite gestellt.. Dieser Vorstoß des Domkapitels war einerseits wahrscheinlich die späte Rache für die Nichtbeteiligung an der Wahl Werners, andererseits aber auch eine Reaktion auf die Politik Werners, der gegen die Gefahr, die dem Erzbistum durch das Eindringen der Franzosen in die benachbarten Diözesen erwuchs, nichts unternahm. 

 

Etwa zu dieser Zeit liefen unter den Kurfürsten geheime Verhandlungen, deren Inhalte wohl als mit Wenzel-feindlich bezeichnet werden müssen, zunächst in Sachen Zoll- und Münzrecht. Werner von Falckenstein ergriff anfangs nicht so recht Partei, vielleicht durch seine Krankheit bedingt, wahrscheinlicher aber von seinem Onkel Philipp beeinflusst, der eher ein Parteigänger Wenzels war. Letztendlich, schloss er sich der Opposition am 15. September 1399 an. Nachdem auch eine Reihe von Anderen Fürsten auf die Seite der Opposition gezogen worden waren, wurde mehr oder weniger offen über eine Abwahl König Wenzels gesprochen und, nach einer ganzen Serie von Verhandlungen und Vereinbarungen, diese auch am 20. August 1400 in Lahnstein feierlich vollzogen. Am nächsten Tag wurde Ruprecht III. zum neuen König gewählt, im Beisein und unter Mitwirkung Werners von Falckensteins. Er, gegen den selbst ein “Entmündigungsverfahren” lief – als solches kann man den Antrag seines Domkapitels wohl nur bezeichnen – enthob den amtierenden König seines Amtes und hob dessen Nachfolger in den Sattel und dies im Einvernehmen mit dem Kölner Erzbischof Friedrich, ebenfalls ein Onkel Werners. Nach wiederum langwierigen Verhandlungen mit Noch-Parteigängern Wenzels und den Städten wurde Ruprecht am 6. Januar 1401 in Köln im Beisein Werners zum König gekrönt. Den erfolglosen Zug des neuen Königs nach Rom, zur Erlangung der Kaiserkrone durch den Papst und damit endgültigen Legitimation, machte Werner trotz Aufforderung durch Ruprecht nicht mit, er war wohl wieder mit internen Fehden und Streitigkeiten in seinem Erzstift beschäftigt. Auch an einem von Ruprecht auf den 4. Juni 1402 einberufenen Treffen der Kurfürsten von Trier, Mainz und Köln in Mainz, bei dem der König die mittlerweile nicht mehr so einigen Kurfürsten wieder zusammenschließen wollte,   konnte Werner nicht teilnehmen, er sandte nur seine Räte. 

 

Ruprecht lieh mittlerweile auch den Trierer Oppositionellen  sein Ohr, die die Resignation Werners und die Einsetzung eines Koadjutors weiter betrieben, ja er schlug im Frühjahr 1403 dem Domkapitel sogar einen Nachfolger für Werner vor, also einen neuen Erzbischof, da nach Auskunft des Mainzer Arztes Johanns die Krankheit Werners immer schlimmer werde. Die Reaktion des Domkapitels hierauf ist nicht bekannt – aber Werner blieb weiter im Amt. 

 

Später, als Ruprecht sich mit dem Mainzer Kurfürsten Johann entzweite und sein Rückhalt unter den einflussreichen Fürsten schwand, suchte er wieder verstärkt die Unterstützung  Werners und ihr Verhältnis besserte sich. Auf einem Reichstag im August 1406 zu Mainz versuchte Ruprecht noch einmal sich mit die Kurfürsten zu einigen, es kam aber zu keinen maßgeblichen Entscheidungen, Streitereien der Kurfürsten untereinander verhinderten dies. So lag Werner zu dieser Zeit im Streit mit Friedrich, seinem Onkel auf dem Kölner Bischofsstuhl: Streitgegenstand war der Bau der Burg Wernerseck. 

Geradezu natürlich, dass diese Uneinigkeit untereinander und mit dem König zu einem Mangel an jeglicher Ordnung führte und manch einer glaubte tun und lassen zu können, was er wolle. Wieder mussten die Kurfürsten sich zusammenraufen und am 15. August 1409 – ohne König Ruprecht – eine Reihe von Regelungen treffen um die Fülle von Streitigkeiten zu beenden. 

 

Eine weitere Front baute sich gegen Ende der Regentschaft Ruprechts zunehmend auf – die Frage der Kirchenunion spitzte sich zu.  Während der Mainzer und der Kölner Erzbischof Partei ergriffen für den “französischen” Papst Benedikt XIII., standen König Ruprecht und Erzbischof Werner auf der Seite des Papstes Gregor XII. Der Streit wurde auch nicht geschlichtet, als auf dem Konzil von Pisa 1409 Alexander V. als dritter Papst gewählt wurde, der dann von Mainz und Köln anerkannt wurde, nicht jedoch von Ruprecht. Die Haltung Werners ist so recht nicht bekannt, es scheint, er ist  weiter Gregor zugetan, denn dieser ernannte ihn am 23. Juni 1412 zu seinem Legaten für die Provinz und Diözese Trier. Größere Auseinandersetzungen wurden durch den Tod Ruprechts 1410 verhindert. 

 

Der neue König und Kaiser Sigismund betreibt die Einberufung des Konzils von Konstanz (1414 – 1418), auf dem unter seinem Vorsitz die Einheit der Kirche wieder hergestellt wird, und Martin V. 1417 als neuer alleiniger Papst gewählt wird. Über Verhalten und Engagement Werners fehlen mir hier leider sämtliche Kenntnisse, es ist jedoch davon auszugehen, dass er sich dieser Entscheidung nicht entgegenstellte.

 

Auch hinsichtlich seiner Einstellung zu Sigismund ist mir leider nichts bekannt, da die Doktorarbeit Ruthes (1) mit dem Tode Ruprechts endet.

 

Werner von Falckenstein starb am 14. Oktober 1418 auf der Burg Burenberg bei Wellmich und wurde in der St. Kastorkirche in Koblenz beigesetzt.

 

Auf einem Monumentalfresco an der Außenwand von Schloss Stolzenfels bei Koblenz, über der Aussichtsterrasse der Sommerhalle ist der Emfang des neugewählten deutschen Königs Ruprecht von der Pfalz durch den kurtrierischen Erzbischof Werner von Falckenstein auf Schloss Stolzenfels von dem Koblenzer Maler Augustin Gustav Lasinsky (1811 – 1870) dargestellt:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fresco an der Außenwand von Schloss Stolzenfels, Augustin Gustav Lasinsky

 

Der neugewählte König steigt soeben am Rheingestade aus dem Nachen, der ihn rheinabwärts nach Kapellen gebracht hat, wo ervon Erzbischof Werner empfangen wird. Die beiden anderen Gestalten sind die geistlichen Wahlfürsten von Mainz und Köln, Johann II. von Nassau und Friedrich III. von Saarwerden. Der König wird von seinem Sohn begleitet und vonseinem Neffen, dem jungen Grafen Hohenzollern, der dem Neugewählten den Armgeboten hat. Altem Brauchgemäß überreicht eine Jungfrau knieend dem König den mit Wein gefüllten Pokal zum Willkomm. Zwei andere Mädchen bringen ihm Brot und Fische dar. Der trierische Kurfürst Werner von Falckenstein, im erzbischöflichen Ornat, alsLandesherr und Wirt, empfängt den König mit priesterlichem Segen und nachbarlichem Gruß. Neben ihm erblickt man zwei Chorknaben, wovon der eine das Weihwassergefäß hält, der andre die Schleife der Chorkappe trägt. Hinter dem Trierer  Kurfürsten stehen die die Erzbischöfe von Mainz und Köln, um den König vom Rheinufer zur Burg Stolzenfels zu begleiten. Über dem König flattert das Banner des deutschen Reiches. Auf der anderen Seite des Frescos wird des Königs reichgeschmücktes Streitross durch einen Pagen gehalten. Reisige und Personen aus dem Gefolge der Fürsten beleben das Bild. Trompeter und Träger von Fähnchen als Vertreter bekannter adliger Geschlechter umschließen die Hauptgruppe. Im Hintergrund sieht man die Burg Stolzenfels in ihrem altehrwürdigen Schmuck mit hohen Spitzgiebeln und Türmen.

 

 

Übersicht:

 

Erzbischöfe u. Kurfürsten von Trier im 14. und 15. Jahrhundert

1307 - 1354

Balduin von Luxemburg

 

1354 - 1362

Boëmund von Saarbrücken

 

1362 - 1388

Kuno von Falckenstein

Seit 4. April 1360 Koadjutor Boemunds

1388 - 1418

Werner von Falckenstein

 

1418 - 1430

Otto von Ziegenhain

Neffe von Werner v. Falckenstein

1430 - 1439

Raban von Helmstatt

 

1430 - 1436

Ulrich von Manderscheid

Gegnerbischof  Rabans

1439 - 1456

Jakob von Sierck

 

1456 - 1503

Johannes II. von Baden

 

 

 

 

 

 Literatur- und Quellenangabe

 

(1)

Edger Ruthe: Werner III. von Falckenstein, Kurfürst und Erzbischof zu Trier (1388 – 1418) und das Reich (bis zu Ruprechts Tode) – Dissertation 1911

 

(2)

Limburger Chronik M.G. Deutsche Chr. IV, 1, S.67. Görz a. a. O. S.110, ad annum 1375 22.Juni. Auslösungsrevers Kunos

 

(3)

Kurt Löhnert: Personal- und Amtsdaten der Trierer Erzbischöfe des 10. – 15. Jahrhunderts – Dissertation 1908

 

 

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